Schon komisch
Ganz schön ehrlich

Dass ein Manager der britischen Drogeriekette Boots in einer Ausschussitzung des Parlaments meinte, homöopathische Präparate brächten eigentlich nichts, verkauften sich aber gut, sorgt für rege Diskussionen. Wieviel Ehrlichkeit vertragen wir?
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Der Mann wollte nicht drum herumreden, er wollte auch nicht lügen, als ihn die Mitglieder eines Parlamentsausschusses fragten: "Wie wirkungsvoll sind denn all die homöopathischen Pülverchen, Pillen und Mittelchen, die Sie verkaufen?" Der Manager der britischen Drogeriekette Boots antwortete wahrheitsgemäß: "Ich habe keine Belege, dass homöopathische Präparate etwas bringen, aber die Menschen kaufen sie."

Wäre Boots ein börsennotiertes Unternehmen, die Aktien wären ins Bodenlose gefallen. So aber löste der Manager nur erregte Debatten und Boykottdrohungen seiner Kunden aus. Er habe sie zutiefst beleidigt und Prinz Charles gleich mit, der sich bereits seit Jahren für alternative Medizin starkmacht und ihre Wirkung preist.

Dabei ist es doch ganz wohltuend, dass ein Manager so ehrlich ist. Wir brauchen mehr von der Sorte. Vorstände von Premium-Autoherstellern sollten endlich zugeben, dass ihre Wagen auch nicht besser sind als ein Golf. Und die Chefs privater Fernsehsender könnten bei Gelegenheit öffentlich einräumen, dass ihre Programme nur der Volksverdummung dienen. Es wären keine neuen Erkenntnisse.

Kommentare zu " Schon komisch: Ganz schön ehrlich"

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  • Ganz schön ehrlich oder ganz schön ahnungslos?

    Ein Manager, für den es keine Frage von innerer Überzeugung ist, was er managt, ist heute sicherlich nicht gerade eine Ausnahme. Aber unverständlich ist, was daran wohltuend sein soll.

    Trotzdem sollte diese Meldung die befürworter der Homöopathie nicht traurig stimmen – im Gegenteil: Dass Menschen sie kaufen, beweist doch deren Überzeugung von der Wirksamkeit und Verträglichkeit homöopathischer Mittel. Und das einzig und allein, weil sie positive Erfahrungen gesammelt haben. Dieser Trend innerhalb der bevölkerung hin zur Homöopathie geht momentan einher mit einer augenfälligen Stimmungsmache dagegen. Mangelnde belege, fehlende Wissenschaftlichkeit sind die Argumente. Hierbei sollte man schon die Frage stellen, in wessen interesse dies eigentlich geschieht.
    Nichtsdestotrotz: Zeugt es nicht eher von Arroganz, wenn eine in der Praxis bewährte Therapie, unter dem Deckmäntelchen mangelnder Wissenschaftlichkeit diffamiert wird? Es gibt doch unzählige beispiele dafür, dass wissenschaftliche Sichtweisen sich verändern und erst dann zuvor rätselhafte Phänomene erklärbar werden. Nur weil etwas mit den gerade aktuellen Methoden nicht beweisbar ist, heißt es nicht, dass es nicht existiert!
    Die Frage, wie Homöopathie wirkt, ist doch nur eine von vielen, die in Zukunft beantwortet werden wird. Dass sie wirkt, ist jedoch ganz offensichtlich für immer mehr Menschen keine Frage mehr. Klinische Studien unterstützen diese Überzeugung. Und ganz sicher tut es ihrem image gut, dass die meisten der Hersteller bzw. Manager in dieser branche hierzulande auch tatsächlich überzeugte Anwender sind.
    Gern würden wir Frau Slodczyk in unserem Hause empfangen. Vielleicht würde der besuch eines Familienunternehmens, welches seit 3 Generationen Homöopathika aus Überzeugung herstellt und vertreibt, das entstandene bild der Manager dieser branche etwas relativieren!

    bärbel Tschech
    PASCOE pharmazeutische Präparate GmbH

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