Schon Komisch

Unvergessliches Fußball-Wunder

Um alte Feindschaften zu hegen, schafft ein Wiener Gemeinderat Fakten und ein Mahnmal des Kleinkrämergeistes.
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Alte Feindschaften müssen besonders gehegt und gepflegt werden. Deutschland und Österreich sind in diesem Sinne besonders eng miteinander verbunden, obwohl sie nicht dieselbe Sprache pflegen. An idiomatischen Problemen mag es liegen, dass die Österreicher uns unberechtigterweise Großmannssucht vorwerfen, wenn wir bei ihnen unterwegs sind, um unsere Vermögen zu verstecken.

Unzweifelhaft steht dagegen fest, dass Österreicher bis heute an einem nicht zu kleinen Minderwertigkeitskomplex gegenüber den Deutschen leiden. Immer wieder müssen sie deshalb offensichtliche Nichtigkeiten zu großartigen Ereignissen hochstilisieren. Unvergessen in der Alpenrepublik ist der - völlig unverdiente - 3:2-Sieg der eigenen Fußball-Mannschaft gegen Deutschland bei der Weltmeisterschaft 1978 im argentinischen Cordoba.

Die armen Burschen zehren bis heute von der Illusion, sie hätten es dem großen Bruder einmal so richtig gezeigt. Damit dieses für die österreichische Seele wichtige Ereignis ewig gewürdigt wird, schafft der Wiener Gemeinderat Fakten: Im Stadtbezirk Floridsdorf hat er ein Geviert in "Cordobaplatz" umbenannt. Ein Mahnmal des Kleinkrämergeistes!

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