Schulden-Engpass
Tui Hapag-Lloyd: Eine abenteuerliche Reise

Hapag-Lloyd erhält eine Finanzspritze über 330 Mill. Euro. Doch Tui, die 43 Prozent an der Reederei hält, generiert selbst kaum liquide Mittel und könnte in einer prekären Situation stecken. Da sich Hapag in einer Notlage befindet, muss sich Tui stark auf den Cash ihrer Reisetochter verlassen, um ihre eigenen Schulden zurückzahlen zu können.
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Tui steht vor einem Schuldenengpass. Das Transport- und Touristikunternehmen steuert den Großteil der Nothilfe über 330 Mill. Euro für ihre 43prozentige Reederei-Tochter Hapag Lloyd bei. Tui mag dabei zwar von der Stadt Hamburg unterstützt werden, aber die Finanzen der Gruppe sehen zunehmend überdehnt aus.

Da Tui im Grunde als Holding organisiert ist, ist das Unternehmen fast vollständig auf die Dividendenzahlungen der Töchter angewiesen, um mit seinen Ausleihungen Schritt zu halten. Die Nettoverbindlichkeiten der Firma belaufen sich auf 2,6 Mrd. Euro, eine Anleihe über 967 Mill. Euro inbegriffen, die im kommenden Jahr fällig wird, und privat platzierte Schuldtitel über 625 Mill. Euro mit Fälligkeit 2011. Tui hatte Anfang des Jahres versucht, Hapag ganz abzustoßen, blieb letztendlich aber auf einer lästigen umfangreichen Minderheitsbeteiligung sitzen. An der in Großbritannien notierten Tui Travel hält die Firma 51 Prozent.

Da Hapag Lloyd Cash verbrennt, ist die Tochter somit nicht in der Lage, der Muttergesellschaft finanziell unter die Arme zu greifen. Hapag verbuchte zum Ende des ersten Quartals einen Verlust über 222 Mill. Euro und Nettoverbindlichkeiten über 1,3 Mrd. Euro. Den Verhandlungen über ein neues Finanzierungspaket über 1,75 Mrd. Euro ist nun die jüngste Geldspritze entsprungen. Tui könnte zusammen mit einem Hamburger Konsortium, dem der Rest von Hapag gehört, über einen Schuldenswap und eine Kapitalzufuhr insgesamt 750 Mill. Euro bereitstellen. Staatliche garantierte Kredite sollten den restlichen Betrag überbrücken, berichten mit der Situation vertraute Personen.

Da bleibt eigentlich nur noch Tui Travel. Die Reisetochter verfügt über einen Kredit über eine Mrd. Euro von der Muttergesellschaft, der 2011 fällig wird. Tui ist darauf angewiesen, dass der Reisebereich diesen Kredit, und weitere Dividenden, rechtzeitig zurückzahlt, um ihre eigenen Finanzierungslasten schultern zu können. Aber der Touristikveranstalter hat im Halbjahr per Ende März 386 Mill. Euro verloren. Zwar wird erwartet, dass sich die Geschäfte verbessern, weil immer mehr Konkurrenten wegfallen. Aber die Rezession macht dem Reiseunternehmen das Leben schwer.

Die Anleihen von Tui werden ohnehin schon dem Junk-Bereich zugerechnet. Wenn sich das Touristikgeschäft nicht bald erheblich erholt, könnte sich Tui einer schmerzhaften Restrukturierung ihrer eigenen Verbindlichkeiten ausgesetzt sehen, berichtet Société Générale. Das wäre ein wenig rühmliches Ende der nervenaufreibenden und oft kontroversen Bemühungen von Tui, ein reines Reiseunternehmen zu werden.

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