Schulden
G20-Treffen: Das Armageddon vermeiden

Angelsachsen und Kontinentaleuropäer werden sich voraussichtlich nicht darüber streiten, wie viel Stimulanz die Wirtschaft noch braucht. Alle sehen ein, dass das Schuldenmachen Grenzen hat. Aber die G20 muss zeigen, auf welchem Weg sie die nationalen Haushalte auf mittlere Sicht wieder ins Gleichgewicht bringen will.
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Freuen wir uns über kleine Geschenke. Die USA und Großbritannien werden sich auf dem G20-Treffen in dieser Woche wahrscheinlich nicht mit Kontinentaleuropa überwerfen, weil ihre Auffassungen über die notwendigen Konjunkturstimulanzien auseinandergehen. Der Kommuniqué-Entwurf verspricht Maßnahmen, die die Länder auf den Wachstumspfad zurückbringen und die langfristige Stabilität der staatlichen Finanzsysteme gewährleisten. Ein Aufruf zu weiteren keynesianischen Ausgabenprogrammen fehlt.

Die zahme Sprache zeigt nichts anderes, als die Akzeptanz der Fakten. Der weltweite fiskalpolitische Stimulus - angeführt von den USA und China - war wohl notwendig, um die Weltwirtschaft vor dem Sturz in den Abgrund zu bewahren. Aber selbst Präsident Barack Obama glaubt nicht daran, dem Kongress ein weiteres, vielleicht noch ehrgeizigeres Konjunkturpaket abringen zu können, zumindest nicht sofort.

Gordon Brown, der andere neo-keynesianische Cheerleader, wurde in der vergangenen Woche erst gerade wieder daran erinnert, dass auch Staaten sich nicht grenzenlos verschulden können. Mitarbeiter des britischen Premierministers führten den Fehlschlag der jüngsten Bondauktion auf eine technische Panne zurück. Aber Brown hat verstanden, dass er sich nicht mehr blind auf das Vertrauen der Anleger in die Kreditwürdigkeit des Staates verlassen kann.

Obama, Brown und einige andere Staatenlenker könnten vielleicht versucht sein, den Schuldenzauberstab noch einmal zu schwenken und ihre Volkswirtschaften mit einer weiteren Ausgabenrunde zu stimulieren. Aber wenn die Märkte nicht mitspielen, müssen die Regierungen auf die Bremse treten und Steuern und Zinssätze erhöhen, um weiter im Geschäft zu bleiben. Eine solch plötzliche Kehrtwende würde zu einem- wie manche es nennen - Armageddon-Szenario führen.

Eine Möglichkeit, das Armageddon zu vermeiden, liegt nach dem G20-Entwurf darin, die langfristige Stabilität des staatlichen Finanzsystems zu sichern. Das ist wahrscheinlich das Höchste, was man von einem Kommuniqué erwarten kann. Aber solche Platitüden werden das Eis bei den Investoren kaum brechen. Sie erwarten glaubwürdige Pläne, die aufzeigen, wie die Budgets mittelfristig wieder ins Gleichgewicht zu bringen sind.

Ohne entsprechenden Fahrplan müssen die Anleger davon ausgehen, dass die Regierungen ihr Ausgabenprogramm über die Notenpresse fortsetzen, eine Strategie, die mit großer Wahrscheinlichkeit zu hohen Inflationsraten führen wird. Und wenn sich die Inflationsängste erst einmal eingenistet haben, wird es für die Regierungen noch schwieriger, die Berge von Geld aufzunehmen, die sie brauchen, um ihre heutigen Defizite zu finanzieren.

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