Schulden-Swaps
Die Zeit für Swaps läuft ab

Die Chance, Schulden-Swaps vorzunehmen, könnte bald verstrichen sein. Dies trifft besonders auf Opportunisten wie Hilton und TXU zu. Wenn Schuldtitel zu einem beträchtlichen Abschlag gegenüber dem Nennwert gehandelt werden, können die Kreditnehmer den Gläubigern einen besseren Preis als den Marktkurs anbieten und dabei dennoch ihre Schuldenlast verringern. Aber durch die Erholung an den Fremdkapitalmärkten geht diese Rechnung nicht mehr richtig auf.
  • 0

Die Beteiligungsgesellschaften versuchen gerade, die Verbindlichkeiten bei wackeligen Übernahmen mit einem übergroßen Einsatz von Fremdkapital herunterzufahren. Doch die Chance darauf könnte bald verstrichen sein, besonders für Opportunisten wie die Eigner von Hilton Hotels und Energy Future Holdings, die texanische Energiegruppe, die vormals TXU hieß. Wenn Schuldtitel zu einem beträchtlichen Abschlag gegenüber dem Nennwert gehandelt werden, können die Kreditnehmer den Gläubigern die Möglichkeit anbieten, ihre Notes gegen neue zu einem besseren Marktkurs einzutauschen, und dabei immer noch ihre Schuldenlast verringern. Doch durch die Erholung an den Fremdkapitalmärkten wird es schwieriger, dafür zu sorgen, dass diese Rechnung aufgeht.

Eine recht große Zahl an Unternehmen hatte Anfang des Jahres den Vorteil in Schwierigkeiten geratener Märkte für hochverzinsliche Papiere genutzt und Swaps vorgenommen. Unternehmen mit einem hohen Verschuldungsgrad waren in Ungnade gefallen. Schätzungen zu den Kursen hochverzinslicher Bonds von Standard & Poor?s LCD legen nahe, dass die Investoren damals davon ausgingen, nur noch 55 cts auf den Dollar zurückzubekommen.

Die Unternehmen drücken ihre Schuldenlast, indem sie den Investoren die Chance einräumen, alte gegen neue Notes mit einer niedrigeren Darlehenssumme zu tauschen. Wenn also ein Anleger, zum Beispiel, Schuldtitel mit einem Nennwert von 1000 Dollar hält, die zu 600 Dollar gehandelt werden, so würde er neue Papiere mit einem Nennwert von 700 Dollar erhalten. Das entspricht einer 30prozentigen Kürzung der Darlehenssumme, doch gleichzeitig einer Erhöhung gegenüber dem Marktkurs um rund 20 Prozent. In diesem Fall kann der Investor, der den Wert dieses Schuldtitels abgeschrieben hat, einen Gewinn verbuchen, während das Unternehmen insgesamt weniger Schulden registrieren muss.

Doch in letzter Zeit haben sich die Anleihekurse beträchtlich verbessert. Dieselbe von S&P LCD herangezogene Benchmark für hochverzinsliche Bonds liegt jetzt bei etwa 95. Selbst ein Unternehmen, dessen Schuldtitel 80 cts zum Dollar abwerfen, so wie bei einigen von Energy Future Holdings emittierten Papieren, wird Schwierigkeiten haben, die Investoren zu einem Swap zu überreden. Höhere Kurse bedeuten, dass der Markt davon ausgeht, dass die Wahrscheinlichkeit für die Firma, in Zahlungsverzug zu geraten, geringer ist. Also müsste das Unternehmen sich bei seinem Angebot schon näher auf den Nennwert zu bewegen, um die Zustimmung der Investoren zu erhalten. Doch dann würde sich die gesamte Schuldenlast kaum verringern und der Austausch wäre für die Kapitaleigner von Energy Future Holdings, zu denen KKR und TPG gehören, weniger lohnenswert.

Anleiheinhaber, die sich auf einen Ausfall gefasst machen müssen - wie diejenigen, die Papiere von CIT halten -, werden sich vielleicht trotzdem auf die Swap-Möglichkeit stürzen. Sie könnte die letzte Chance sein, das Unternehmen aus der Insolvenz herauszuhalten und später einen größeren Anteil an der Darlehenssumme wieder hereinzubringen. Aber bei opportunistischen Deals wird das nicht ganz so einfach werden, während sich die Kurse verbessern.

Energy Future Holdings musste seinen jüngsten Bond-Swap nachbessern. Anfang des Monats sah sich MGM Mirage gezwungen, einen Schuldtiteltausch aufzuschieben, da nur ein Prozent der Anleiheinhaber sich auf das Angebot einlassen wollte. Hilton-Schuldtitel liegen in privater Hand, werden also nicht gehandelt. Aber wenn es sich bei den Verbindlichkeiten der Hoteliers stimmungsmäßig auch nur annähernd so verhält wie auf dem breiteren Markt, dann könnten die Eigner bei Blackstone die Gelegenheit verpasst haben, die Schuldenlast von 20 Mrd. Dollar abzubauen.

Kommentare zu " Schulden-Swaps: Die Zeit für Swaps läuft ab"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%