Schuldenboom
Märkte bejubeln US-Billionendefizit

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Am Montag war es fast wie zu Boom-Zeiten. Der US-Aktienmarkt stieg um zwei Prozent, fast wie damals, als man das Wirtschaftswachstum erwartete und nicht nur erhoffte. Auch der Grund des Anstiegs geht auf die Ära des Kreditbooms zurück: starke Quartalszahlen von Goldman Sachs, dem Vorzeigekind des neuen Finanzkapitalismus kündigten sich an.

Es erinnerte an die Tage der höheren Fremdfinanzierung. Jetzt war es der größte Schuldner von allen, der die Grenze überschritt: die US-Regierung. Das Defizit für dieses Jahr durchbrach die Billionengrenze und wird voraussichtlich 1,8 Billionen erreichen.

Das riesige Haushaltsloch, bislang in Friedenszeiten unerreicht, stimmt die Investoren nicht euphorisch. Schließlich befindet man sich nicht in der guten alten Zeit, als immer neue Innovationen das geregelte Einkommen sicherten. Die Kreditgeber lassen Uncle Sam weiterhin nur 3,4 Prozent für einen Zehnjahreskredit bezahlen. Sie fühlen sich mit den Risiken sicher.

Noch vor nicht allzu langer Zeit erschien eine Billion wie eine gigantische, furchterregende Zahl. Auf Breakingviews.com tauchte das Wort im Jahr 2006 nur 44 Mal auf. Damals lag das US-Defizit bei 248 Mrd. Dollar. Geht es so weiter, wird "Billion" auf dieser Website bis Jahresende 385 Mal erscheinen.

Diese "Billionisierung" hat nichts mit der Inflation zu tun - sie bleibt angenehm niedrig. Viel mehr ist sie Zeichen der eng verwobenen Finanzwelt. Die Krise und ihre Rettungsaktionen haben deutlich gemacht, dass viele Institutionen heutzutage zu eng miteinander verflochten sind, um noch als unabhängig zu gelten. Man sollte ihre Schulden auf einen Haufen werfen.

Die Kreditkrise hat die Privatverschuldung etwas gemindert. Die Regierungen hingegen haben eifrig zugegriffen. Sollten die Defizite schnell genug fallen, sobald sich die Wirtschaft erholt, könnte dieser neue Schuldenboom und die damit einhergehende Spendierfreude der Regierungen glücklich enden.

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