Schuldenrefinanzierung der Banken
Gefährliche Zeiten

Sie haben sich durch fallende Börsen gekämpft und komplizierte Kapitalaufnahmen bewältigt, jetzt wartet eine neue Herausforderung auf die Banken - die Umfinanzierung ihrer Schulden. Die Refinanzierungskosten erreichten im März einen Höhepunkt, fielen dann aber wieder zurück. Jetzt werden die Zinsspannen wieder größer. Die ohnehin schon angeschlagenen Gewinnmargen könnten darunter genauso leiden wie die Aktienkurse.

Schuldenrefinanzierung heißt die nächste große Herausforderung für die Banken dieser Welt. Nach den Verlusten aus der Subprime-Krise und dem Spießrutenlaufen bei der Aufnahme frischen Kapitals müssen Banken jetzt einen wachsenden Anteil ihrer Schulden neu verhandeln, und das bei deutlich höheren Zinsen.

Die Refinanzierungsaufgabe ist ein weiteres Erbe des Kreditbooms. Als die Zeiten noch besser waren, also 2006, verkürzten die Banken die Laufzeiten und erhöhten das Volumen ihrer variabel verzinslichen Schuldtitel, die sie mit einen bestimmten Satz über dem Interbankensatz Libor bedienen. Nach diesen Exzessen stehen nach Angaben von JPMorgan nun bis 2009 871 Milliarden Dollar langfristiger Schulden zur Refinanzierung an.

Hätten die Prolongationen im Mai angestanden, so wäre das halb so schlimm gewesen. Zu diesem Zeitpunkt wurden Credit Default Swaps (CDS) unter Banken des Itraxx Index mit einer Zinsspanne von 54 Basispunkten gehandelt - zwei Monate zuvor lag der Spread noch bei 130 Basispunkten. Die schwächer werdenden Volkswirtschaften und die fallenden Eigenheimpreise trieben die Spanne inzwischen wieder auf über 90 Basispunkte.

Der Refinanzierungsfahrplan scheint auch auf die CDS-Spreads der einzelnen Banken durchzuschlagen. Nehmen wir zum Beispiel Unicredit. Im Verlauf des vergangenen Jahres, weitete sich der Spread bei der italienischen Bank um 113 Prozent aus. Das klingt zunächst nicht allzu schlecht, wenn man die düsteren Aussichten auf dem Kreditmarkt in Betracht zieht. Aber mehr als die Hälfte dieses Zuwachses entstand im vergangenen Monat - vielleicht weil der Markt inzwischen realisiert hat, dass die Bank variabel verzinsliche Kredite mit einem Volumen von 6 Milliarden Dollar bis zum 12. September neu verhandeln muss.

Im Gegensatz dazu muss Barclays vor Dezember keine Floating Rate Notes refinanzieren. Der CDS-Spread dieser Bank stieg im vergangenen Monat nur um moderate 14 Prozent. Die Unsicherheit bei der Umschuldung hat wahrscheinlich auch zu einer Ausweitung der Margen von Brokerhäusern geführt - bei Merrill Lynch und Goldman Sachs stiegen sie in den vergangenen drei Monaten um 60 Prozent.

In einer Finanzwelt mit sinkenden Schulden gehören Refinanzierungsaktivitäten nicht mehr unbedingt zum Routinegeschäfte, nicht einmal bei soliden Institutionen. Und wenn die Banken und Brokerhäuser die neuen Finanzierungsquellen gefunden haben, müssen sie auch noch mit den Folgen leben.

Die durch hohe Schulden belasteten Bilanzen der Finanzinstitutionen führen zu höheren Finanzierungskosten. Alle andere unverändert, führen um 30 Basispunkte höhere Zinskosten bei den Banken zu einem Rückgang der Eigenkapitalrendite um etwa 2 Prozent.

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