Schwedische Autoindustrie
Schwedischer Auto-Crash auf Raten

Ford und GM haben die schwedische Regierung um finanzielle Unterstützung für ihre angeschlagenen Töchter Volvo und Saab ersucht. Aber das Ausmaß der Hilfe, die die Schweden leisten können, ist begrenzt – selbst wenn sie wollten. Dies zeigt, wie anfällig ausländische Töchter sind, wenn die globalen Muttergesellschaften implodieren.

General Motors und Ford wollen Schweden den Schwarzen Peter zuschieben. Die US-Autobauer haben die schwedische Regierung um finanzielle Unterstützung ihrer Verluste schreibenden Töchter Saab bzw. Volvo ersucht. Das zeigt, wie weit sich die Detroiter Probleme ausgebreitet haben. Aber Schweden wird wahrscheinlich nicht viel tun können. Andere Länder werden sich einem ähnlichen Dilemma ausgesetzt sehen, wenn global agierende Gruppen für ihre Ableger vor Ort um Hilfe rufen.

Die Marken sind trotz ihres Luxusstatus anfällig. Unglaublicherweise hat Saab nie einen Gewinn gemacht, seitdem GM vor zwanzig Jahren erstmals eine Beteiligung an der Firma übernommen hatte. Auch Volvo ist jüngst in die roten Zahlen gerutscht. Im Oktober haben Saab und Volvo jeweils nur 1975 bzw. 3717 Wagen auf dem amerikanischen Schlüsselmarkt verkauft.

Beide sind im Vergleich kleinere Hersteller. Saab baut nur 100 000 Fahrzeuge von insgesamt 50 Millionen Wagen, die die Branche jedes Jahr weltweit herstellt. GM und Ford haben nicht das nötige Kleingeld, um Jahre der Vernachlässigung der Marken zu beheben. Tatsächlich könnten die Töchter sogar entbehrlich geworden sein.

Der US-Kongress hat klar gestellt, dass jegliche staatliche Beihilfe für Detroit, sollte sie bewilligt werden, nicht an Produzenten im Ausland abfließen darf.

Schweden ist akutem Druck ausgesetzt. In der im Westen des Landes konzentrierten schwedischen Autoindustrie sind direkt und indirekt etwa 150 000 Menschen beschäftigt, rund drei Prozent der Erwerbsfähigen. Die Branche bringt zudem in großem Maßstab Devisen ein.

In Wahrheit hat Schweden aber wenig Spielraum. Die Regierung könnte die Verlust bringenden Töchter für eine nominale Summe kaufen, deren Kredite garantieren oder die Mitarbeiterentlassungen abfedern. Aber die Regierung war eher auf dem Privatisierungskurs als der Verstaatlichung zugeneigt, wodurch Beteiligungen nur schwer zu verdauen wären. Kreditgarantien wären vielleicht akzeptabler, auch wenn Schweden den Zwängen der EU-Richtlinien für die staatliche Beihilfe unterworfen ist. Und lindernd beim Abbau der Belegschaft zu wirken, könnte ebenfalls auf Schwierigkeiten mit der EU stoßen, es sei denn, das Vorgehen würde als Sanierungsunterstützung durchgehen.

Damit bleibt eine Lösung im Privatsektor. Aber wer würde sich Saab oder Volvo derzeit schon aufbürden wollen? Vielleicht müssen sie verschenkt werden - so wie Daimler Chrysler abgeladen hat - oder sie müssen möglicherweise alleine vor sich hinwelken und schließlich vergehen. Wie der Hilfsappell von Tata an die niederländische Regierung im Fall des Stahlherstellers Corus deutlich macht, werden auch andere internationale Unternehmen versuchen, die Probleme ihrer Töchter auf die Regierungen vor Ort abzuwälzen.

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