Schweres Verleihen
Osteuropa wird westlichen Banken schaden

Österreichische, italienische und französische Banken haben eine dominante Präsenz in der Region. Leistungsbilanzdefizite, Währungsabwertungen und das Risiko zunehmender Ausfälle wird Institute wie die Erste Bank, Unicredit und SocGen treffen und sie möglicherweise zu Rekapitalisierungen ihrer Tochtergesellschaften zwingen.

Westeuropäische Banken könnten bald die Schmerzen spüren, die sich aus Sorgen um eine Verschlechterung der osteuropäischen Wirtschaft ergeben. Dazu gehören schnell abwertende Währungen, ein sich verlangsamendes Wachstum und das Risiko zunehmender Kreditausfälle. Seit dem Ende des Kommunismus wurde die osteuropäische Finanzbranche von ausländischen Banken dominiert. Lange Zeit galt die Annahme, dass diese weitgehend geschützt sind durch ihre Praxis, lokal Kredite vor allem in Dollar, Euro oder Schweizer Franken zu vergeben. Die harte Landung der osteuropäischen Volkswirtschaften könnte jedoch zeigen, dass dies die Dinge schlimmer macht.

Die osteuropäische Bankenlandschaft wird von wenigen westlichen Akteuren dominiert. Österreich, Deutschland, Italien und Frankreich - in dieser Reihenfolge - halten zusammen rund 55 Prozent der gesamten osteuropäischen Auslandsschulden von 1,7 Billionen US-Dollar. Nur sieben Prozent entfallen auf die USA, Großbritannien und Japan. Dominiert wird das Feld von Erste Bank und Raiffeisen aus Österreich, Italiens Unicredit und Frankreichs Société Générale, während schwedische Banken eine vorherrschende Position in den baltischen Märkten haben.

Doch die Hoffnungen, dass die in diesem Monat vorgelegten europaweiten Hilfspakete indirekt auch der Finanzwirtschaft in Osteuropa helfen, indem die Unterstützung für westliche Banken bis zu ihren osteuropäischen Tochtergesellschaften durchsickert, erwiesen sich als kurzlebig. Die Sorgen richten sich nun darauf, dass Haushalte nicht mehr in der Lage sein könnten, ihre in Euro oder Schweizer Franken denominierten Kredite zurückzuzahlen, weil die lokalen Währungen an Wert verlieren. Dies käme zum Platzen der lokalen Kreditblase hinzu. Das 30- bis 50prozentige Kreditwachstum der letzten Jahre im privaten Sektor kann offensichtlich nicht Bestand haben.

Europäische Banken, die auf der Suche nach schnellem Wachstum in den letzten 20 Jahren gen Osten expandierten, können vernünftigerweise darauf hoffen, dass dies nur ein weiterer Sturm ist, den man zu überstehen hat? und dass, so schmerzhaft die aktuelle Krise auch sein mag, noch immer Möglichkeiten im Überfluss in den weiterhin aufstrebenden Volkswirtschaften bestehen. Doch weil Verluste, Rückstellungen und Abschreibungen sich vervielfachen, könnten die Muttergesellschaften gezwungen sein, Abschreibungen in ihren eigenen Bilanzen vorzunehmen und weiteres Kapital bei ihren Tochtergesellschaften einzusetzen. Auf schmerzhafte Weise werden sie daran erinnert, dass es so etwas wie eine? Entkopplung? innerhalb der Grenzen Europas nicht gibt.

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