Scottish & Newcastle
Schottenpower

Übernahmekampf: Die Brauerei Scottish & Newcastle hat Carlsberg und Heineken zehn Prozent mehr abgetrotzt, obwohl die Märkte um 15 Prozent gefallen sind. Die Brauerei hat Kompromisse gemacht, aber der Abschluss über 7,6 Mrd. Pfund Sterling, der am Ende dabei herauskam, ist ein Sieg für ihre Aktionäre.

Wie es sich für das von Rebellion geprägte Erbe des Landes geziemt, ist die größte Brauerei Schottlands kämpfend untergegangen. Scottish & Newcastle (S&N) hat den Bietern Carlsberg und Heineken eine Offerte über 800 Pence je Aktie abgetrotzt, die den europäischen Brauereien eine Empfehlung des Boards sichert. Obwohl das Übernahme-Angebot gerade einmal um zehn Prozent über der ursprünglichen Offerte vom Oktober liegt, haben Carlsberg und Heineken angesichts der Kursverluste an den Finanzmärkten real um fast 30 Prozent nachgebessert.

Wie hat S&N das hin gekriegt? Die Antwort liegt in ihrer ultra-aggressiven Verteidigungsstrategie. Anstatt nur einfach den Preis pauschal abzutun, haben die Schotten die Aufmerksamkeit auf BBH gelenkt, ihr russisches Gemeinschaftsunternehmen mit Carlsberg. S&N hatte den Dänen vorgeworfen, sie wollten sich BBH billig unter den Nagel reißen. Sie hatte sogar die Rechtsanwälte bemüht und versucht, den Spieß umzudrehen und die russischen Kronjuwelen selbst ganz zu übernehmen.

Das war aus zwei Gründen clever. Zum einen boten die schnell wachsenden, aber undurchsichtigen Märkte von BBH die Möglichkeit, eine heftige Debatte über den Wert des Joint Ventures anzuzetteln. Damit konnte das Unternehmen zum Teil von ihren rückläufigen westlichen Märkten ablenken, die bis zu 70 Prozent der Betriebsgewinne von S&N ausmachen. Zum zweiten konnte S&N dadurch argumentieren, sie habe Optionen - nämlich die Chance auf den Alleinbesitz von BBH -, obwohl der langsame Kursverfall von S&N darauf schließen lässt, dass die Investoren in diesem Punkt skeptisch blieben.

Wichtiger aber war, dass die Verteidigung von S&N Carlsberg, den schwächeren der beiden Bieter, in die Ecke gedrängt hat. BBH ist der größte Vermögenswert der dänischen Brauerei und ihre einzige Wachstumsquelle. Sie zu verlieren, wäre zwar kein finanzielles Desaster gewesen, da sie einen fairen Preis bekommen hätte. Aber die Dänen wären in einer strategischen Sackgasse gelandet. Wäre die Offerte erst einmal abgegeben, hätte Carlsberg fast keine andere Alternative mehr gehabt als weiterzumachen, selbst auf die Gefahr hin, zu viel zu zahlen.

Das Schicksal von S&N ist noch nicht vollständig besiegelt. Die Brauerei hält an ihrem Rechtstreit um BBH fest, was die Tür für eine mögliche Gegenofferte eines Konkurrenten offen hält. Aber dank dem aggressiven Vorgehen von S&N und dem Mangel an Alternativen von Carlsberg sind die Aktien von S&N nach unten klar abgesichert. Das ist ein Sieg für die Aktionäre der schottischen Brauerei.

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