Sempra
Das Eisen schmieden, solange es heiß ist

Die RBS tut gut daran, den Verkauf von Sempra zu forcieren. Die Bieter haben ein Auge auf den Anteil der britischen Bank an dem Rohstoffhändler geworfen, dessen Verkauf von Brüssel erzwungen wird. Die RBS hat vier Jahre, um den Deal abzuschließen. Aber da die Rohstoffmärkte steigen und die mögliche politische Einflussnahme die Händler von Sempra nervös machen dürfte, ist sie gut beraten, die Tochter gleich abzustoßen.
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Die Royal Bank of Scotland (RBS) tut gut daran, den Verkauf von Sempra so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen. Die britische Bank war im vergangenen Monat von der EU-Kommission angewiesen worden, ihren 51prozentigen Anteil an dem Rohstoffgeschäft zusammen mit einer Reihe anderer Vermögenswerte abzustoßen. Auch wenn das Institut vier Jahre Zeit für den Verkauf hat, ist es logischer, die Interessenten jetzt zu umwerben.

Das Gemeinschaftsunternehmen Sempra gehört zu dem Bereich Global Banking & Markets, der Investment Banking-Sparte der RBS. Da die RBS zu 70 Prozent den Steuerzahlern gehört, hat sich das britische Schatzamt ein Veto über den Umfang des diesjährigen Bonuspools ausbedungen. Die Sempra-Händler, die umfangreiche Zahlungen erwarten, können sich auf eine ähnliche politische Einflussnahme gefasst machen, solange die staatlich kontrollierte RBS noch involviert ist.

Wenn die RBS ihren Anteil nicht schnell veräußern kann, besteht die Gefahr, dass die Bewertung des Geschäfts in Mitleidenschaft gezogen wird. Der Wert von Sempra manifestiert sich vorwiegend in der Ertragskraft seiner Händler. In vier Jahren könnten sie alle gegangen sein.

Es gibt aber auch noch andere gute Gründe dafür, den Deal gleich durchzuziehen. Die vierjährige Gnadenfrist war gewährt worden, um zu verhindern, dass sich die Kapitalprobleme europäischer Banken dadurch verschärfen, dass sie gezwungen wären, in einem schwachen M&A-Markt Vermögenswerte unter dem Buchwert zu verkaufen. Aufgrund der derzeit steigenden Rohstoffpreise könnte der Preis für Sempra jedoch wahrscheinlich vier Mrd. Dollar erreichen, wenn das Geschäft als Ganzes verkauft werden würde, sagte eine mit der Lage vertraute Person. Das entspräche einem Aufschlag von fast 15 Prozent gegenüber dem Buchwert des Bereichs.

Und die RBS könnte sogar auf noch mehr hoffen. Der globale Rohstoffhandel wird von Goldman Sachs und Morgan Stanley beherrscht. Eine Akquisition von Sempra in ihrer Gesamtheit würde es anderen Akteuren - wie der Deutschen Bank und JPMorgan - ermöglichen, in die Oberliga auszusteigen. Das hat strategischen Wert.

Wenn er einen starken Preis für den Anteil erzielen kann, würde dies dem Ansinnen von RBS-Chef Stephen Hester neuen Schwung verliehen, die Bilanz der Bank um 40 Prozent zu verringern. Die Erlöse könnten eingesetzt werden, um mit dem Rückkauf von mit besonderen Vorrechten ausgestatteten Aktien über 25,5 Mrd. Pfund Sterling zu beginnen, die als Bestandteil der Teilnahme der Bank an der britischen staatlichen Versicherung für Vermögenswerte begeben worden waren. Unglücklicherweise kann Hester nicht darauf setzen, dass sich auch die anderen Vermögenswerte als genau so gefragt erweisen werden wie Sempra.

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