Shell/Nigeria
Zeit für den Rückzug

Ist es an der Zeit, dass sich Shell aus Nigeria zurückzieht? Die Erdölgesellschaft reicht bereits 95 Prozent der Rohöleinnahmen an die Regierung weiter. Im Gegenzug muss sich Shell mit einer brüchigen Infrastruktur, wütenden Rebellen und einer Regierung herumschlagen, die jetzt sogar noch mehr der Gewinne einstreichen will. Die Offshore-Felder Nigerias sehen viel versprechend aus, aber auf dem Festland scheint jede Mühe vergebens.

Es gibt nur wenige Orte, die den großen Erdölgesellschaften mehr Kopfzerbrechen bereiten als Nigeria. Als größter ausländischer Förderer in dem afrikanischen Land, reicht Shell über 95 Prozent der Rohöleinnahmen an den Staat weiter. Im Gegenzug muss sich der Ölkonzern mit einer brüchigen Infrastruktur, wütenden Rebellen und jetzt auch noch mit einer Regierung herumschlagen, die einen noch größeren Anteil am Gewinn einstreichen will. Während die Felder vor der Küste Nigerias viel versprechend aussehen, scheint auf dem Festland jede Mühe vergebens.

Der britisch-niederländische Riese war vor 70 Jahren in das Land gekommen. Damals hatte das Unternehmen mit dem Export nigerianischen Rohöls ein Vermögen gemacht. Aber mit den Jahren verschärften sich die Konflikte und die Gewinne nahmen ab. Rebellen, die unzufrieden darüber waren, wie die Einnahmen aus der Ölförderung verteilt wurden, begannen damit, die Infrastruktur zu zerbomben und die Mitarbeiter von Shell zu terrorisieren. Gleichzeitig beanspruchte die Regierung allmählich einen immer größeren Anteil am Gewinn. Shell nimmt gerade einmal zwei bis drei Dollar je Barrel Rohöl, das auf dem Festland gefördert wurde, mit nach Hause, auch wenn nigerianisches Rohöl jüngst mit 91,93 Dollar je Barrel bewertet worden war, schreibt Argus Media.

Darüber hinaus bereiten Versorgungsunsicherheiten den Kunden von Shell Verdruss. Im Jahr 2006 zum Beispiel lagen zwei Drittel der Onshore-Produktion fast das ganze Jahr über brach. Im letzten Quartal 2007 konnte Shell seine Kapazität über eine halbe Million Barrel pro Tag (bpd) nur etwa zur Hälfte nutzen. Und jetzt hat Shell gerade weitere 130 000 bpd verloren, weil eine Pipeline leckt. Aus Angst vor Angriffen der Rebellen verzögern sich die Reparaturarbeiten.

Als wäre das noch nicht genug, muss sich Shell mit einer weiteren Bedrohung auseinander setzen: Gazprom. Der russische Energie-Gigant will Geld nach Nigeria pumpen, um die Erdgasreserven des Landes zu heben. Das ist kaum ein gutes Omen für die einstige Vormachtstellung von Shell.

Es stimmt schon, dass der Zugang zu neuen Vorkommen überall auf der Welt schwieriger geworden ist, während die Regierungen plötzlich nationalistische Gefühle für ihre Naturschätze hegen. Vor diesem Hintergrund mögen die Probleme in Nigeria vielleicht nur der Preis sein, den man für das Geschäft zahlen muss. Aber es könnte sinnvoll sein, wenn Shell nach Möglichkeiten Ausschau hält, sich aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit der nigerianischen Regierung auf dem Festland zurückzuziehen – vorausgesetzt das Unternehmen kann dann gleichzeitig noch an seiner Rolle bei der Entwicklung der Offshore-Felder Nigerias festhalten. Sie werfen größere Gewinne pro Barrel für Shell und seine Partner unter den großen Erdölgesellschaften ab. Und sie liegen eine Flugstunde mit dem Helikopter vom Festland entfernt im Meer und damit außerhalb der Gefahrenzone.

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