Siemens/Staatsfonds
Staatliche Ankurbelung

Siemens muss vorsichtig mit Staatsfonds umgehen. Das deutsche Konglomerat umwirbt aktiv staatlich gestützte Investoren, damit diese sein Aktionärsregister bereichern. Es ist nicht das erste große westliche Industrieunternehmen, dass einen möglichen Vorteil darin sieht, diese Wohlstandsquelle anzuzapfen. Die tatsächlichen Vorteile - und die politische Akzeptanz - hängen aber von den Details ab.

Siemens öffentliche Begründung hat zwei Seiten. Einerseits kann der Konzern argumentieren, dass die Stärkung der Anlegerbasis dabei hilft, die Interessen langfristiger Aktionäre zu schützen und die Verteidigungsfähigkeit gegenüber Rivalen oder Aktivisten zu stärken. Der jüngste Kampf zwischen Continental und Schaeffler unterstreicht dies. Der einzige Großinvestor bei Siemens ist mit einem Anteil von sechs Prozent die Siemens-Familie.

Doch diese Begründung ist nur ein politisch akzeptabler Weg, den staatlichen Einstieg bei einer deutschen Unternehmensikone zu rechtfertigen. Tatsächlich braucht Siemens solchen Schutz nicht. Mit einer Marktkapitalisierung von 67 Milliarden Euro, der sechsfachen Größe von Continental, wäre der Konzern schwer zu schlucken. Die relativ neue Siemens-Führungsmannschaft und massive Restrukturierungen bedeuten zudem, dass Aktivisten wenig Handlungsspielraum hätten.

Das wahre Ziel bei der Suche nach einem staatlichen Investor ist, dem Geschäft Auftrieb zu verleihen. Die Vorteile einer Annäherung an Regierungen in schnell wachsenden Märkten könnten riesig sein. Sich einen Staatsfonds zu suchen ist eine Alternative zu Gemeinschaftsunternehmen, wie sie die Kooperation von General Electric mit Abu Dhabi vorsieht. Dieses Geschäft könnte 40 Milliarden US-Dollar für das Auftragsbuch des US-Konzerns wert sein, und sicherlich hat es den Siemens-Finanzchef Joe Kaeser beeindruckt.

Bei Siemens scheint man sich auf das Finden eines staatlichen Unterstützers aus der Golfregion zu konzentrieren. Angesichts der Größe des Unternehmens wäre es überraschend, wenn ein neuer Aktionär anfänglich mehr als einen Fünf-Prozent-Anteil übernimmt. Wie auch immer die Größe oder Struktur eines Geschäftes aussieht, Aktionäre und Politiker werden die Details streng unter die Lupe nehmen, um sicherzustellen, dass Siemens nicht zuviel aus der Hand gibt.

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