Smith & Nephew
Die nötige Sorgfalt

Sein und Schein klaffen oft weit auseinander. Diese Erfahrung hat Smith & Nephew mit einer Firma gemacht, die das Medizintechnikunternehmen im vergangenen Jahr gekauft hatte. Zwar kann sich S&N vielleicht einige der Kosten wieder zurückholen, aber damit ist das Unternehmen noch lange nicht aus dem Schneider. Andere Käufer, die in einem Verkäufermarkt den Wagemut vor die Umsicht gesetzt hatten, könnten sich bald in einer ähnlichen Zwangslage wieder finden.

Vorsicht vor Griechen, die mit falschen Kniegelenken hausieren gehen. Nachdem Smith & Nephew (S&N) über einen Fall von unethischem Geschäftsgebaren in der griechischen Niederlassung ihrer im vergangenen Jahr erworbenen Tochter Plus Orthopedics berichtet hatte, waren die Aktien des Medizintechnikunternehmens in der vergangenen Woche um 13 Prozent gefallen. S&N hatte sich die Bücher von Plus wohl angeschaut, bevor die Firma den Hersteller künstlicher Gelenke und Körperteile gekauft hat. Doch der Vorgang wirft Fragen auf, wie gründlich Käufer während des letzten M&A-Booms ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Die Sorgfaltsprüfung, bei der die Käufer nach versteckten Schwierigkeiten forschen, ist ein elementarer Bestandteil einer jeden Übernahme. Wie intensiv sie ausfällt, hängt einmal von dem Deal selbst ab, aber auch vom finanziellen Umfeld. In einem Verkäufermarkt, oder bei einer aggressiven Versteigerung, lassen sich die Käufer vielleicht eher auf zusätzliche Risiken ein, während die Verkäufer, bei dem, was sie preisgeben, möglicherweise zurückhaltend sind. Die Banken haben auch noch ein Wörtchen mitzureden. In schweren Zeiten fordern Kapitalgeber erschöpfende Nachforschungen. Aber während der jüngsten Kreditausschweifungen hatten einige Geldgelber ihre strengen Vorgaben gelockert.

Die Käufer versuchen, dem Unbekannten finanziell so wenig wie möglich ausgesetzt zu werden. Üblicherweise verlangen sie eine Absicherung gegen Probleme, die auftauchen könnten, nachdem der Geschäftsabschluss über die Bühne gegangen ist. In manchen Fällen bedeutet dies, dass sie die Kosten für mögliche Rechtsstreitigkeiten oder verlorene Gewinne wieder hereinholen können. Das hofft auch S&N. Aber wie weit die Absicherung geht, hängt von der Verhandlungsposition des Käufers ab. Das Risiko einer Rufschädigung – und die strenge gesetzliche Haftung für alle später entdeckten Ungereimtheiten – liegen voll und ganz bei dem neuen Eigentümer.

Einige Unternehmen haben dies auf die harte Tour lernen müssen. Nehmen wir einmal Halliburton. Bei dem US-Zulieferer für die Erdölbranche laufen derzeit Untersuchungen wegen des Verdachts auf Korruption bei seiner ehemaligen Tochter KBR. Jetzt will Halliburton eine Offerte für den britischen Erdöldienstleister Expro vorlegen. Während ein konkurrierendes Konsortium unter Candover und Goldman Sachs kurz davor steht, ein formelles Gebot abzugeben, will Halliburton erst noch einen drei volle Jahre umfassenden Papierberg penibel durchforsten. Das könnte Monate dauern.

Möglicherweise ist der Fall von Halliburton extrem. Nachdem das Unternehmen schon einmal in die Nähe eines Skandals gerückt worden ist, ist es jetzt überempfindlich, was seinen Ruf anbelangt. Aber das ist vielleicht gar nicht so schlecht. Man könnte sich eventuell sogar fragen, warum Candover und Goldman ihre Hausaufgaben nicht genau so gründlich machen. Schließlich können, wie die Sorgen von S&N zeigen, die wahren Kosten von Geschäftsabschlüssen, denen eine nachlässige Sorgfaltsprüfung voranging, erdrückend hoch ausfallen.

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