SocGen
Ein Stern verglüht

Bei Société Générale sind Stoßseufzer der Erleichterung zu vernehmen. Aber die Bank ist noch nicht über den Berg. Die Sorgen um ihre Investmentbank bleiben – und halten der SocGen ein Übernahmegebot vom Hals.

Bei Société Générale (SocGen) sind Stoßseufzer der Erleichterung zu vernehmen. Die schnelle Begebung einer Bezugsrechtsemission über 5,5 Mrd. Euro gibt der Bank endlich wieder Anlass zum Selbstlob. Sie war notwendig geworden, um wieder Kapital aufzustocken, nachdem der mittlerweile berühmte betrügerische Händler Jèrôme Kerviel SocGen um fast denselben Betrag gebracht hatte. Das Kreditinstitut kann sogar darauf hinweisen, dass die Emission um 84 Prozent überzeichnet war, obwohl dieses Kunststück aufgrund eines Abschlags von ursprünglich fast vierzig Prozent leicht zu vollbringen war.

Aber wenn SocGen denkt, sie könne wie gewohnt weitermachen - selbst bei den ungewöhnlichen Umständen, die derzeit in der Bankenbranche herrschen -, dann macht sie sich der Selbstüberschätzung schuldig.

Da die neuen Aktien schon am 13. März notiert werden sollen, ist die Bank solide mit Kapital ausgestattet. Aber die eigentliche Frage hinsichtlich der Zukunft des französischen Instituts betrifft ihre Corporate und Investment Bank, besonders die längst berühmte Abteilung für Aktienderivate im Eigenhandel.

An den Märkten wird gemunkelt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Offerte seitens einer konkurrierenden Bank für SocGen schwindet, weil die üblichen Verdächtigen kalte Füße zu bekommen scheinen. Aber das böse kleine Geheimnis von SocGen besteht darin, dass die Bank am stärksten durch die anhaltenden Bedenken über ihre Investmentbank vor unerwünschten Verfolgern geschützt ist. Deren zukünftige Entwicklung wird einfach von zu vielen Unbekannten flankiert, so dass kein Bieter einen Preis nennen will.

Im vergangenen Jahr hatte die Division 4,5 Mrd. Euro eingenommen und fast 80 Prozent davon entfielen auf den Handel mit Aktien gegenüber 50 Prozent im Vorjahr, denn beim Handel mit Festverzinslichen war es 2007 aufgrund der Subprime-Krise zu Einbrüchen gekommen. Von den Einnahmen kamen 1,2 Mrd. Euro aus dem Eigenhandel, ein Minus um 15 Prozent im Jahresvergleich. Nach Angaben von SocGen sollen die Einnahmen aus Kundenaufträgen weiter wachsen. Und die Bank hat auch gleich ein ehrgeiziges Ziel vorgegeben: Bis 2010 sollen die Einnahmen der Division um fünf bis zehn Prozent jährlich steigen.

Bleibt die Abteilung am unteren Ende dieser Spanne hängen, dann käme SocGen mit viel Glück wieder auf dem Niveau von 2006 an. Aber es könnte länger dauern, bis die Glaubwürdigkeit der Bank bei den Kunden wiederhergestellt ist, besonders da die Aufsichtsbehörden jetzt ein besonderes Augenmerk auf die finanzielle Kreativität des Instituts haben dürfte.

SocGen mag sich sicher fühlen. Aber wenn man nur durch die eigenen Schwächen geschützt wird, ist das wohl kaum ein Anlass, sich selbst zu rühmen.

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