Société Générale
Die Sache mit der Kultur

Der Aufsichtsrat der französischen Bank deckt in seinem Report über das Fünf-Milliarden-Euro-Debakel einige schwerwiegende Mängel im Kontrollsystem auf. Aktionäre werden mehr als bloße Versprechen erwarten, bevor sie junge Aktien aus der geplanten 5,5-Milliarden-Euro-Emission zeichnen, die SocGen nach dem Mega-Verlust dringend braucht.

Société Générale wird sich nicht so leicht von den Kerviel-Nachwehen erholen. Einen Riesenverlust von 5 Milliarden Euro verbuchen und dann kurzerhand die eigenen Aktionäre bitten, das Geld herauszurücken – nichts anderes versucht die Bank mit der heute gestarteten Kapitalerhöhung um 5,5 Milliarden Euro – wird nicht genug sein, um die Anleger davon zu überzeugen, dass die Bank ihre Probleme wirklich verstanden hat.

>Ein dreiköpfiges Aufsichtsratsgremiums legte in dieser Woche einen Bericht über die Ursachen des Kerviel-Debakels vor. Darin nehmen die Verfasser kein Blatt vor den Mund, um die - gelinde gesagt – vornehme Zurückhaltung zu beschreiben, die Bankangestellte und Manager übten, obwohl ihre Bedenken gegenüber den Praktiken eines Händlers über Monate hinaus ständig zunahmen. Selbst wenn die noch andauernden Untersuchungen von Polizei und Justiz ergeben, dass keine weiteren Angestellten sich krimineller Handlungen schuldig gemacht haben, heißt das zumindest, dass SocGen sich einer sträflichen Gleichgültigkeit gegenüber Personen schuldig gemacht hat, die Regeln beugen. Der Bericht vermittelt den irritierenden Eindruck, dass die tödliche Mischung aus Bürokratenmentalität und Risikokultur SocGen machtlos gegen Betrug gemacht hat.

Die Bank hat inzwischen eine beeindruckende Liste von Maßnahmen angekündigt, und zum Teil bereits umgesetzt, um in Zukunft Überraschungen von Kerviel-Größenordnung zu verhindern. Bei der Konkurrenz mag insgeheim Schadenfreude über die Turbulenzen bei SocGen aufgekeimt sein – aber auch dort beeilt man sich ähnliche und noch strengere Kontrollen einzuführen, wohl wissend, dass man auch selbst hätte Opfer eines solchen Betrugs werden können.

Für Investoren – darunter potenzielle SocGen-Kaufinteressenten – bleibt die begründete Sorge, dass der nächste Kerviel vielleicht schon in einer anderen Abteilung der Bank arbeitet. Sie wären sicherlich froh zu wissen, dass die Top-Manager der Bank, angefangen beim Vorsitzenden Daniel Bouton, die Botschaft verstanden haben: Um die Bank auf sicherere Füße zu stellen reicht es nicht, strengere Kontrollen durchzusetzen, die ohne Zweifel notwendig sind. Es ist ganz offensichtlich die Kultur der Bank, die überholungsbedürftig ist – ein sehr viel schwierigeres Unterfangen als eine Änderung von Verfahren oder Personen. So könnte also eine Zeit kommen, in der SocGens Board entscheiden muss, ob Bouton, der Mann der die Bank auf die Beine stellte, auch der Mann ist, sie zu reformieren.

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