Société Générale
Ein bisschen leichte Unterhaltung

Ein einzelner Betrüger kostet die Société Générale fünf Milliarden Euro. Seine Tricks und das Versagen der französischen Bank geben eine gute Klatschgeschichte ab. Der Schwindel ist aber typisch für eine Periode finanziellen Überschwangs. Der wirkliche Schaden wurde von Händlern und Bankern angerichtet, die einigen gefährlichen Regeln folgten.

In gewisser Weise kann sich Daniel Bouton ungerecht behandelt fühlen. Société Générale, die Bank, deren Chef er ist, bekommt derzeit viel Aufmerksamkeit für den von Jérôme Kerviel begangenen Betrug, der das französische Institut fünf Milliarden Euro kostet. Kerviels Verbrechen ist aber nur der Nebeneffekt eines systematischen Problems.

Kerviel brach die Regeln der Bank und sehr wahrscheinlich auch das Gesetz, doch er nahm auch an etwas viel größerem Teil – an der Epoche finanziellen Überschwangs. Viele Leute haben riesige und hoch gehebelte Arbitrage-Absicherungsgeschäfte gemacht. Auf diese Weise konnte Kerviel Positionen über 50 Milliarden Euro eingehen, ohne von irgendjemandem bemerkt zu werden. Sein Trick bestand einfach darin, den Absicherungs-Teil des Arrangements zu überspringen.

Die Kerviel-Geschichte ist gut für Klatsch über Persönlichkeiten und laxe Kontrollen. Eine sachlichere Analyse deutet aber auf tiefere kulturelle Probleme hin. Kerviel arbeitete in einer Abteilung, die im Jahr 2006 eine Kapitalrendite von 48 Prozent erwirtschaftete - nach der Zahlung sehr generöser Boni. Wo die Gewinne so einfach flossen, muss es Führungskräften leicht gefallen sein, die Sorgen vor den Risiken des Geschäftes zu vergessen.

Eine ähnliche, obwohl völlig legale Unachtsamkeit gegenüber Risiken war in der Branche wohl ziemlich allgegenwärtig. Bosse und Händler empfingen enorme Belohnungen dafür, nicht über das nachzudenken, was falsch laufen könnte. Anders als Kerviel befolgten sie die Regeln, doch diese Regeln haben sich als sehr gefährlich erwiesen.

Es ist noch zu früh, um die gesamten Kosten des unverantwortlichen Überschwangs zu berechnen. Derzeit wurden bereits über 100 Milliarden Euro gezählt, und die Summer wird immer noch größer. Verglichen damit sieht Kerviels Betrug fast winzig aus.

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