Societe Generale
Hilfreiche Übernahmespekulationen

Die französische Bank möchte junge Aktien im Wert von 5,5 Milliarden Euro emittieren und damit das Kapital ersetzen, das sie durch einen betrügerischen Händler verloren hat. Die Anleger sind bereit mitzuziehen, sie lockt eine mögliche Übernahmeprämie – und ein Discount von 25 Prozent. Eine reibungslose Platzierung würde die Konsortialbanken JP Morgan und Morgan Stanley erfreuen.

Nicht gerade der ideale Zeitpunkt für Société Générale, um eine Kapitalerhöhung von 5,5 Milliarden Euro vorzubereiten. Erstens, weil es sich hier um eine Bank handelt, und zweitens, weil sie SocGen heißt. Auch wenn die Bezugsrechte von den Underwritern JP Morgan und Morgan Stanley vollständig übernommen wurden, käme eine schwache Platzierung einem weiteren Schlag ins Gesicht der französischen Bank gleich, die noch Verluste in Höhe von 7 Milliarden Euro verdauen muss, die sie ihrem kreativen Trader Jerome Kerviel und der Subprime-Krise verdankt.

Nimmt man die Sovereign Wealth Funds einmal aus, investieren Anleger zurzeit nur ungern neues Geld in den Bankensektor. Die Vorsicht ist verständlich – niemand scheint genau zu wissen, wie hoch der Wert der Aktiva eigentlich ist und wo vielleicht die nächste Überraschung lauert. Die Zeit des Aufräumens ist bei den Banken noch nicht vorüber, nicht bei SocGen und auch nicht bei anderen.

Bei der französischen Bank selbst spricht man von Schritten in Richtung strengerer Kontrollen, aber die Zweifel an der Risikokultur der früher sehr gelobten Investmentbank sind noch nicht zerstreut. Gegenwärtig sieht es ganz danach aus, als ob ein Teil der hohen Gewinne mit Handelsrisiken erkauft wurde, die in Zukunft wohl als inakzeptabel gelten werden.

Aber es gibt auch einen Silberstreif am Horizont. Seitdem die Bank die Höhe ihrer beispiellosen Verluste vor zwei Wochen bekanntgeben musste, kursieren Übernahmespekulationen über SocGen. Die Konkurrenten BNP und Credit Agricole grübeln recht offen über ein Angebot. Der Aktienkurs von SocGen liegt aktuell leicht über dem Kurs vom Tag vor der Beichte. Was der Kurs durch Betrug verliert, gewinnt er durch Übernahmespekulation und sogar noch mehr.

Es sieht also danach aus, dass die Banker der Bank damit Erfolg haben könnten. Bei einem Discount von etwa 25 Prozent können sie den Altaktionären ein Bezugsrecht in Höhe von einer jungen Aktie pro 5 Aktien im Bestand (5:1) anbieten. Anschließend dürfte SocGen zum acht- bis neunfachen ihrer für 2008 erwarteten Gewinne gehandelt werden – immer noch mit Prämie also im Vergleich zu BNP Paribas. Das Bezugsrecht macht SocGen teurer, aber nicht weniger attraktiv, was notwendig wäre, um die Bilanz zu heilen.

Clever eingesetzt könnte es für die Bank aber ein Anreiz sein, das Kerviel-Debakel ein für allemal hinter sich zu lassen – so, dass sie sich in Zukunft wieder der Aufgabe widmen kann, die Aktionärsinteressen auf die bestmögliche Weise zu verteidigen.

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