Société Générale
So lässt sich kein Casino betreiben

Die französische Bank sagt, dass Jerome Kerviel ein fiktives 50 Milliarden Euro schweres Termingeschäft für ein echtes 50 Milliarden Euro Geschäft erschaffen hat. Bis dies jemand bemerkte, egal ob innerhalb oder außerhalb der Bank, war SocGen schon auf dem Weg, 5 Milliarden Euro zu verlieren. Diese Fahrlässigkeit lässt sowohl die Bank als auch ihre Geschäftspartner dumm aussehen.

Wenn ein Spieler mit einem Scheck über 50 Milliarden Euro eine Spielbank betreten würde, dann gäbe der Kassierer auch keine Batzen Chips heraus, ohne sich nicht vorher davon zu überzeugen, dass das Geld auch wirklich da sei. Dies ist aber nicht der Fall, wenn das Spiel - besser, der Handel - von großen Investmentbanken betrieben wird. Jerome Kerviel, ein kleiner Händler bei Societe Generale, schaffte es, ungesicherte Beträge im Wert von 50 Milliarden Euro in zahlreichen Termingeschäften aufzubauen, ehe es jemand bemerkte, intern und auch außerhalb der Bank. Bis dahin war die französische Bank schon auf dem Weg in einen 5 Milliarden Euro großen Verlust.

Kerviel trickste seinen Arbeitgeber durch das Errichten eines fingierten Hedging- Portfolios mit gleichem Wert aus. SocGen sagt, er sei ein schlauer Betrugskünstler, aber die Bank schaut trotzdem dumm aus. Es gelang nicht, Handel und Abwicklung zu trennen, die grundlegendste Kontrolle überhaupt. Hunderte, vielleicht sogar Tausende von fiktiven Buchungen und gefälschten Bestätigungen wurden nicht bemerkt. Und 50 Milliarden Euro scheint ein recht großer Betrag für einen Junior Arbitragehändler als "Spielgeld" zu sein.

Auch die Handelspartner von SocGen scheinen etwas verpasst zu haben. Eigentlich sollten Geschäftspartner einen anteiligen Wert ihres Einsatzes einzahlen. Es scheint immer noch ein wenig düster, aber Kerviel scheint es geschafft zu haben, Verträge zu verwenden, bei denen die Geldnachfrage SocGen betreffend verzögert werden konnte. Seine Partner hatten es nicht nötig nachzuprüfen, ob der Cash dann auch tatsächlich vorhanden war.

Das offensichtliche Desinteresse reflektiert den Unterschied zwischen Casinos und den Finanzmärkten. Kassierer vertrauen niemals ihren Kunden, aber Händler, einmal im Club, werden als "Geldware" betrachtet. "Mein Wort ist meine Anleihe", wie das Motto der Londoner Börse lautet.

So konnte SocGen, der größte Spieler im Equity Terminmarkt, nur das einzig Ehrbare tun. Und so geschah es auch. Sie nahm den Verlust und verkaufte neue Aktien um zu kompensieren. So wie ein Aristokrat des 19. Jahrhunderts einen Teil seines Anwesens verkauft hätte, um seine Spielschulden zu bezahlen. Etwas mehr Casino-Disziplin hätte vielleicht vor dem Verlust bewahrt und vor der Peinlichkeit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%