Sony/Bertelsmann
Rückzug!

Genau vier Jahre hat das katastrophale Musik-Joint Venture Sony BMG gehalten. Jetzt hat Bertelsmann ihren 50prozentigen Anteil an den Partner Sony verkauft – für gerade einmal 900 Mill. Dollar. Die Mediengruppe befreit sich damit von ihren Schulden. Aber die wenig eindrucksvolle Bewertung dürfte einige großzügiger bewertete Konkurrenten alarmieren.

Bertelsmann hat bei Sony BMG einen demütigenden Rückzug angetreten. Genau vier Jahre nachdem das katastrophale Musik-Joint Venture gegründet worden war, verkauft die Mediengruppe ihren 50prozentigen Anteil an den Partner Sony - für nur 900 Mill. Dollar. Das entspricht einem Verlust um 64 Prozent gegenüber den 2,5 Mrd. Dollar, mit denen ihre Hälfte an Sony BMG zum Zeitpunkt der Fusion bewertet worden war.

Das Unternehmen stand vom ersten Tag an unter keinem guten Stern. Das Geschäft mit der aufgezeichneten Musik befand sich in der gesamten Branche im freien Fall. Das Gemeinschaftsprojekt selbst litt unter einem Frontalzusammenstoß der Kulturen beim Stil der deutschen und japanischen Unternehmensführung. Erschwerend kam hinzu, dass Sony BMG von einem seit zwei Jahren schwelenden Disput vor dem Europäischen Gerichtshof über die Gültigkeit der ursprünglichen wettbewerbsrechtlichen Genehmigung der Fusion durch die EU-Kommission überschattet worden war. Der Deal war erst im Lauf dieses Jahres endgültig gebilligt worden.

Darüber hinaus hat Bertelsmann einen Ausstieg auszuhandeln versucht, seitdem die Mediengruppe 2006 rund 4,5 Mrd. Euro dafür ausgegeben hatte, um den 25prozentigen Anteil ihres einzigen externen Aktionärs, Groupe Bruxelles Lambert, zu übernehmen. Mit diesem kühnen Schritt konnte das Unternehmen zwar einen Börsengang vermeiden, aber gleichzeitig war die Bilanz von Bertelsmann dauerhaft unter Druck geraten.

Mit dem Verkauf an Sony lässt die Gruppe ihre Schulden endlich hinter sich. Er ist Teil der Strategie von Bertelsmann, sich auf ihre Wachstumsbereiche wie den Sender RTL Group und den Mediendienstleister Avarto zu konzentrieren. Der offensichtliche Rückzug der Gruppe aus dem US-Markt wird vorangetrieben.

Allerdings sollte die mickrige Bewertung von 1,8 Mrd. Dollar für die zweitgrößte Musikgruppe der Welt den Konkurrenten schwer zu denken geben. Die Unternehmensberichte von Bertelsmann implizieren, dass ihre Hälfte an Sony BMG 2007 zu derzeitigen Wechselkursen ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von etwa 215 Mill. Dollar erwirtschaftet hat. Daraus folgt, dass Sony rund das 4,2fache des Ebitda des vergangenen Jahres zahlt.

Darüber werden sich die Aktionäre des Konkurrenten Warner Music keine Sorgen machen, dessen Bereich Musikaufzeichnungen nach Angaben von Analysten derzeit mit etwa dem Fünffachen des Ebitda bewertet wird. Bei EMI sieht es da schon ganz anders aus. Guy Hands hat über sechs Mrd. Dollar dafür gezahlt, die Musikgruppe im vergangenen Jahr vom Kurszettel zu nehmen. Nach Analystenschätzungen kam dies dem etwa 20fachen des Ebitda für die Abteilung Musikaufzeichnungen gleich. Selbst wenn Hands seinen ehrgeizigen Plan zur Kostensenkung umsetzen kann, würde dieses Vielfache nur auf acht fallen.

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