Sotheby’s
Auktionshaus zu verkaufen

Die Aktien von Sotheby’s sind seit Juli um 70 Prozent gefallen und haben die Marke von acht Dollar erreicht. Bei einer Marktkapitalisierung von nur 570 Mill. Dollar könnte das Auktionshaus leicht zum Übernahmekandidaten werden. Aber Käufer, aufgepasst!

Könnte im November bei dem größten Verkauf in der Kunstsaison Sotheby?s selbst unter den Hammer kommen? Die Aktien des Auktionshauses sind in den vergangenen drei Monaten um zwei Drittel gefallen und haben die Marke von acht Dollar erreicht, zu der die Titel in der Vergangenheit auf rätselhafte Weise immer wieder an Boden gut machen konnten.

Auch wenn sich viele Plutokraten der Welt die Wunden lecken, haben einige von ihnen immer noch genug Bares in der Tasche, um die ultimative Trophäe zu erjagen: Sotheby?s selbst. Schließlich ist erst in diesem Monat das konkurrierende Auktionshaus Phillips de Pury an die russische Luxusgütergruppe Mercury verkauft worden.

Aber die Investoren sollten sich vorsehen. Sotheby?s hat sich gerade 250 Mill. Dollar aus einer Kreditfazilität über 300 Mill. Dollar geholt. Damit steigen seine gesamten Verbindlichkeiten auf rund 620 Mill. Dollar. Und das Auktionshaus sieht sich Verlusten aus Abschlüssen gegenüber, die den Verkäufern Mindestpreise auf ihre Kunstwerke garantieren. Aus solchen Garantien war Sotheby?s erst jüngst ein Verlust über 15 Mill. Dollar erwachsen. Und die anstehenden Versteigerungen von Impressionisten und moderner Kunst in der kommenden Woche könnten sich als noch tückischer erweisen.

Die Werke, die Sotheby?s im Kundenauftrag verkaufen will, machen den Großteil der außerbilanziell geführten Garantien der Firma über 300 Mill. Dollar aus. Die Auktion soll mehr als 350 Mill. Dollar einbringen und präsentiert herausragende Stücke von Malevich und Munch, sowie die Pastellzeichnung einer Ballerina von Degas, die niemandem Geringeren gehört als dem Übernahme-Baron Henry Kravis. Für den Degas des KKR-Chefs wurde eine Garantie ausgesprochen, er soll für über 40 Mill. Dollar den Besitzer wechseln. Das könnte Wunschdenken bleiben.



Gerade wurde nämlich ein Gemälde von Picasso, das über 30 Mill. Dollar einbringen sollte, von der Auktion zurückgezogen. Angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Instabilität könnte Sotheby?s bei der Versteigerung in der kommenden Woche auf einer Reihe von Verlusten sitzen bleiben, die abgedeckt werden müssen. Darüber hinaus haben sich die Außenstände des Auktionators auf 1,6 Mrd. Dollar aufgebläht, was darauf schließen lässt, dass seine wohlhabende Kundschaft mit den Zahlungen für die Werke, die sich tatsächlich noch verkaufen lassen, ins Hintertreffen geraten ist.

Was wäre also das Schlimmste, was passieren könnte? Nun, gehen wir einmal von dem Extremfall aus, dass Sotheby?s bei dreißig Prozent seiner Garantien und Forderungen Ausfälle hinnehmen muss - etwa wenn der Degas von Kravis nicht ersteigert wird und russische Oligarchen nicht für ihre Einkäufe zahlen. Das könnte die Firma bis zu 570 Mill. Dollar kosten - ein Schlag in Höhe ihrer Marktkapitalisierung.

Natürlich besteht auch ein enormer Spielraum nach oben, wenn Sotheby?s keine großen Verluste einstecken muss. Über künftige Erträge hinaus besitzt das Auktionshaus 70 Prozent an seiner Zentrale in London im Wert von etwa einer Mrd. Dollar, wie JMP Securities schätzt. Und dann wäre da noch der Markenname, der in der ganzen Welt für Luxus steht. All dies könnte einem Liebhaber gefallen - einem Menschen, der vielleicht auch einmal 100 Mill. Dollar für einen mit Diamanten überzogenen Totenkopf ausgibt. Gewöhnliche Investoren sollten mit einem Gebot allerdings vorsichtiger umgehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%