Sotheby's
Malen nach Zahlen

Es sieht so aus, als würde Sotheby's zur Investment Bank. Das Auktionshaus versichert Kunst so, wie Banken dies mit LBO-Darlehen tun. Beide zahlen hohe Prämien, um die erste Adresse zu bleiben. Sotheby's Aktionäre sollten ihre Hoffnung darauf setzen, dass hier die großen Fehltritte der Banken vermieden werden.

Auf den ersten Blick haben ein Kunstauktionshaus und eine Investment Bank nicht viel gemeinsam - außer natürlich die wohlhabende Kundschaft. Aber die Wall Street ist anscheinend viel näher an der New Bond Street, als es viele glauben. Das älteste Auktionshaus der Welt, Sotheby's, hat sich offenbar ein paar Dinge bei Goldman Sachs, Morgan Stanley und anderen abgeschaut. Es versicherte Kunstverkäufe, wie vor der Kreditkrise LBO Darlehen versichert wurden und zahlte großzügige Prämien, um die erste Adresse zu bleiben. Solche Aktionen wurden von Banken mit Abschreibungen und Entlassungen quittiert.

So wie die Investment Banken vor der Kreditkrise, so zwang zunehmender Wettbewerb das Kunstauktionsmarkt Sotheby's dazu, Risiken einzugehen, um ein gutes neues Geschäft zu sichern. Im Bankgeschäft hieß das, die Haftung für aggressive Darlehen zu übernehmen; im Kunstgeschäft heißt das, Verkäufern Top Preise in Dollar bei Auktionen zu garantieren.

Die beiden Top Auktionshäuser, Sotheby's und das privat geführte Christie's sind aggressiv mit Garantien umgegangen, als der Kunstmarkt boomte. Am 30. September letzten Jahres, vor den großen November-Auktionen, hatte Sotheby's 459 Mill. Dollar an Garantien in seinen Büchern. Heute sind es 149 Mill.; vielleicht zeigt sich hier ein vorsichtigerer Ausblick sowie die Saisonabhängigkeit des Auktionsmarktes. Aber das Unternehmen hat schon ein paar bedeutende Verluste hinnehmen müssen, einschließlich eines garantierten Van Goghs, der im November nicht verkauft wurde.

In der unsteten Kunstwelt setzen Garantien Sotheby's Risiken aus, so wie die, denen die Investment Banken jetzt gegenüberstehen: Milliarden nicht verkaufter Kredite. Noch ist dieser Anteil nicht gleich der Verluste an der Wall Street. Auch Sotheby's hat noch niemanden entlassen. Laut JMP Securities hat das Auktionshaus aber während des letzten Konjunktureinbruches 30 Prozent der Belegschaft gefeuert. Nächstes Mal könnte ein noch größerer Druck entstehen, da nämlich Top-Preise gezahlt wurden, um Branchen-Primus zu bleiben.

Sotheby's Aktien wurden ein bisschen wie eine Investment Bank gehandelt. Sie sind fast 40 Prozent unter ihrem Oktober-Hoch. Trotz der Erwartung ist die Kunstmarkt-Krise noch nicht angekommen. Das lässt vermuten, dass Sotheby's-Aktien noch tiefer fallen könnten. Die Aktionäre sollten auf der Hut sein, dass der Nachahmungseffekt nicht noch weiter greift.

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