Sovereign Wealth Fonds
Die Wertekurve nach oben klettern

Es wäre einfach zu denken, Staatsfonds hätten mehr Geld als Verstand. Denn insgesamt sehen sie doch wie ziemlich gewiefte Investoren aus. Viele Sovereign Wealth Fonds (SWFs) achten auf gute Preise und strategische Vorteile. Das alles ist Teil der Verschiebung der globalen ökonomischen Machtverhältnisse.

Vor Liquidität überfließende Regierungen, die blind ihr leicht verdientes Vermögen rauswerfen. Ein solches Stereotyp ist schnell bedient, wenn man die neuen schweren Jungs in der Welt des Investierens beschreiben will: Die Sovereign Wealth Funds (SWFs) oder Staatsfonds. Das wäre nicht nur eine gefährliche Vereinfachung, es ist schlichtweg falsch. Viele dieser staatlich kontrollierten Gebilde achten auf gute Preise und strategische Vorteile.

Sicher gibt es einige Legenden über SWF-Investitionen, die komplett in die Hose gegangen sind. Die Investition über drei Mrd. Dollar, die China im vergangenen Jahr in Blackstone gesteckt hatte, wurde zu Höchstpreisen vorgenommen. Seitdem sind die Aktien eingebrochen. Katar hätte fast denselben Fehler gemacht, als der Staatsfonds ein überzogen generöses Gebot für die britische Supermarktkette J.Sainsbury über elf Mrd. Pfund Sterling erwogen hatte. Sein Rückzug in der allerletzten Minute mag vielleicht grotesk ausgesehen haben, aber wenigstens hat er einen guten Sinn für Investitionen gezeigt.

Überhaupt scheinen die SWFs Schnäppchen zu Billigstpreisen zu sammeln, die solide langfristige Erträge versprechen. Das Debakel um die US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität und fallende Immobilienpreise im Westen haben attraktive Kaufgelegenheiten mit sich gebracht. Staatsfonds haben über 75 Mrd. Dollar in westliche Banken investiert. Die Investment Corporation of Dubai umkreist den in Schwierigkeiten geratenen spanischen Projektentwickler Inmobiliaria Colonial.

Die Fonds handeln zudem clevere Deals aus, die mehr versprechen als die reinen Investitionserträge. Die Kapitalspritze der Kuwait Investment Authority für Merrill Lynch umfasste auch eine Übereinkunft über die zukünftige Zusammenarbeit. Von chinesischen Unternehmen weiß man, dass sie ausländische Partner auffordern, einen Teil ihres Geschäfts an China zu vergeben.

Selbst wenn SWFs tatsächlich auf Trophäenjagd gehen, bringen auch diese Vermögenswerte oft strategische Vorteile mit sich. Katar erwartet im Gegenzug für ihre Beteiligung, die die Londoner Börse vor einem unerwünschten Übernahme-Angebot „schützen“ soll, ganz klar, dass Doha bei der Förderung ihres Aktienmarkts Hilfe bekommt. Das Interesse von Dubai am FC Liverpool fungiert als “Investition mit Leuchtreklame”, die dem Emirat jede Menge öffentliche Aufmerksamkeit für einen relativ geringen Einsatz garantiert.

Für sich entwickelnde Länder ist der Kauf von großen Anteilen an westlichen Unternehmen ein effektiver Weg, die Wertekurve nach oben zu schießen. Diese Investitionen bieten das Potenzial auf finanzielle Erträge und auf das dringend benötigte Fachwissen.

Die globalen wirtschaftlichen Machtverhältnisse verlagern sich in Richtung der Entwicklungsländer. SWFs, die künftig an den Schalthebeln der weltweiten Macht sitzen werden, machen sich bereit, die Zügel in die Hand zu nehmen.

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