Sprint
Unbequeme Optionen

Sprint musste eine geplante Wandelanleihe über drei Mrd. Dollar zurückziehen, nachdem die Aktien der Telefongesellschaft eingebrochen waren. Unglücklicherweise laufen ihr die Kunden immer noch in Scharen davon, und ihre Kreditauflagen sind unangenehm eng gefasst. Das Unternehmen benötigt mehr Kapital – und zwar schnell.

Was soll man tun, wenn einem kapitalintensiven, hoch verschuldeten und auf Abonnenten basierenden Geschäft die Kunden in Scharen davonlaufen? Vor diese unbequeme Frage sieht sich Sprint gestellt. Die Telefongesellschaft beteuert, genug Kapital für die "absehbare Zukunft" zu haben. Das mag stimmen, aber die Auflagen in ihren Kreditvertragsklauseln sind unangenehm eng gefasst. Und sie werden noch enger werden, wenn das Unternehmen nicht schnell handelt.

Sprint weist Nettoverbindlichkeiten über 19,5 Mrd. Dollar aus. Am Ende des vergangenen Quartals lag das Verhältnis der Gesamtverbindlichkeiten zum Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen damit bei 2,9. Gemäß der Konditionen ihrer revolvierenden Kreditfazilität, die die Firma teilweise schon angezapft hat, muss dieses Verhältnis unter 3,5 bleiben. Wenn die Kunden weiter im bisherigen Tempo abspringen und damit die Ergebnisse unter Druck setzen, besteht die Möglichkeit, dass die Telekomgesellschaft im kommenden Jahr gegen diese Kreditklauseln verstößt.

Natürlich sitzt Sprint nicht nur untätig da. Die Firma kürzt Kosten und will im kommenden Quartal Schulden über eine Mrd. Dollar zurückzahlen. Ihre Pläne, ihr WiMax-Geschäft beim Partner Clearwire unterzubringen, wird den Investitionsaufwand verringern und bedeutet, dass Sprint nicht mehr länger Betriebsverluste über etwa 500 Mill. Dollar in ihren Büchern konsolidieren muss.

Aber dies dürfte noch nicht reichen. Sprint hat dies scheinbar selbst erkannt, denn das Unternehmen hatte im Verlauf dieses Monats versucht, mit einer Wandelanleihe drei Mrd. Dollar zu sammeln. Nach einer lauwarmen Aufnahme durch den Markt hatte das Unternehmen die Offerte am nächsten Tag wieder zurückgezogen.

Die verbleibenden Optionen sehen nicht gerade attraktiv aus. Sprint hat bereits die Investitionsausgaben gesenkt. Weitere Kürzungen könnten der Firma Wettbewerbsnachteile einbringen. Sie überlegt, das Netz zu verkaufen, das sie übernommen hatte, als sie Nextel für 36 Mrd. Dollar erworben hatte. Der Reiz dieses Plans liegt auf der Hand. Sich des Netzes zu entledigen, würde mehr einbringen als nur einen Batzen Bares. Sprint betreibt derzeit zwei Netze. Eine Kehrtwende wäre sicher einfacher zu bewerkstelligen, wenn man es mit wenigeren beweglichen Teilen zu tun hätte.

Aber bei Sprint liegt mehr als ein Haar in der Suppe. Ihr Netz ist technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand und verliert rasch an Wert, da anspruchsvollere Kunden in Scharen zu fortschrittlicheren Netzen und ansprechenderen Geräten wie dem iPhone überwechseln. Der Niedergang des Netzes bedeutet, dass Kaufinteressenten wohl kaum mehr als fünf Mrd. Dollar dafür hinblättern wollen. Darüber hinaus ist unklar, wer als Käufer überhaupt in Frage käme - andere große Telekomgesellschaften sind nicht interessiert und Beteiligungsfirmen hätten wahrscheinlich Schwierigkeiten, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen.

Was kann Sprint also tun? Die Wurzel der Schwierigkeiten des Unternehmens sind die unzufriedenen Kunden. Probleme wie eine miserable Mobilfunkreichweite, unterbrochene Gespräche und einen ungenügenden Kundendienst zu lösen, erfordert große Investitionen - mit anderen Worten: Cash, den Sprint nicht hat. In den sauren Apfel zu beißen und eine Verwässerung der Aktionäre in Kauf zu nehmen, wäre ein kluger Schritt.

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