Sprung über den großen Teich
Energie für Amerika

Auf dem heimischen Kontinent stoßen europäische Energiekonzerne an ihre Grenzen. Aber in den USA eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Der zersplitterte US-Energiemarkt braucht dringend Kapital und bietet Europäern mehr für ihr Geld.

Die europäischen Energieversorger sind so groß geworden, dass Wachstum zuhause kaum mehr möglich ist. In den USA bieten sich dagegen Chancen in Hülle und Fülle. Der zersplitterte US-amerikanische Energiemarkt braucht dringend Kapital und kann Europäern mehr für ihr Geld bieten. Während sich Versorgungsunternehmen in Europa zusammenschlossen, wurden sie in den Vereinigten Staaten in kleine Unternehmen auseinandergerissen. Viele amerikanische Bundesstaaten deregulierten ihre Energiemärkte und trennten die Energiegewinnung von der Energieversorgung und den verbundenen Handelsaktivitäten.

Durch die Deregulierung entstanden größere Wahlmöglichkeiten und wohl auch geringere Energierechnungen für die Verbraucher, die Versorgungsunternehmen verloren aber gleichzeitig an Investitionsfähigkeit. In einigen Regionen sanken die Überschusskapazitäten durch die fehlenden Investitionen schon gefährlich nah an die Mindestgrenze von 15 Prozent. So könnten bald an heißen Sommertagen Stromausfälle in Spitzenzeiten zur Tageordnung gehören.

Die Europäer haben das dringend benötigte Kapital, das den ausgebluteten US-Energieunternehmen fehlt, um Kraftwerke auszubauen oder aufzukaufen. Einige erwähnenswerte Übernahmen fanden bereits statt, so kaufte 2006 die britische National Grid zum Beispiel das Unternehmen Keyspan für 12,4 Milliarden US-Dollar und Spaniens Iberdrola bot erst kürzlich 7,8 Milliarden Dollar für Energy East. Gemessen an den Cash-Reserven der Europäer von 200 Milliarden Dollar sind das allerdings nur kleine Fische. Das Bild könnte sich sehr bald ändern. Eine Reihe von Kraftwerken müssen ihr Heil demnächst an der Börse suchen, da die privaten Beteiligungskapitalgeber ihren Ausstieg vorbereiten. Die staatlich regulierten Energieversorger bieten europäischen Investoren einen stetigen Ertragsstrom und Renditen, die im Durchschnitt um 2 Prozent über den Raten liegen, die sie zuhause erwirtschaften können. Gleichzeitig bieten die deregulierten Unternehmen aber auch noch lukrativere Ertragschancen, da sie händeringend nach Kapitalgebern suchen, um neue Kraftwerke zu errichten.

Das größte Hindernis bilden die staatlichen und lokalen Regulierungsbehörden, die Konsolidierungsbestrebungen nicht gern sehen und sich daher quer stellen. Die europäischen Konzerne sollten daher nach Bundesstaaten mit schwächeren Behörden Ausschau halten, denen die Autorität fehlt Zusammenschlüsse zu verhindern. Sie sollten sich auch in Regionen umsehen, in denen die Kraftwerkskapazitäten am stärksten ausgeschöpft sind, wie zum Beispiel im Nordosten der Vereinigten Staaten. Auch die engstirnigste Regulierungsbehörde wird unter dem Damoklesschwert von Energieversorgungslücken bereit sein, mit sich reden zu lassen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%