SRI-Fonds
Gut und Böse

Gesellschaftlich verantwortungsvolle Investitionen sind angesagt und Al Gore reitet ganz oben auf dieser so genannten SRI-Welle mit. Wie bei den meisten Wohltätern besteht auch sein Fonds über fünf Mrd. Dollar ausschließlich aus Kaufpositionen. Das sieht moralisch vielleicht erhabener aus als das Spekulieren auf eine Baisse. Aber SRI-Fonds, die zu ihren Überzeugungen stehen, sollten auch gegen die Verantwortungslosen wetten. Das könnte ihren Renditen zu Gute kommen.

Al Gore arbeitet weiter an seinem Ruf als Wohltäter. Nachdem der ehemalige US-Vizepräsident und Nobelpreisgewinner in einem internationalen Feldzug versucht hat, die Öffentlichkeit für die globale Erwärmung zu sensibilisieren, hat er einen großen Fonds eingerichtet, in den gesellschaftlich verantwortungsvolle Investitionen („socially-responsible investment“, kurz SRI) einfließen.

Wie die meisten SRI-Fonds weist auch das Vehikel von Gore über fünf Mrd. Dollar nur Kaufpositionen in Aktien auf, die seinen Kriterien für Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit entsprechen. Das hört sich vielleicht moralisch erhabener an als das Spekulieren auf eine Baisse – eine Vorgehensweise, die im öffentlichen Bewusstsein oft mit rücksichtlosen Bösewichtern gleichgesetzt wird, die auf dem Börsenparkett über Leichen gehen. Aber SRI-Fonds, die mutig zu ihren Überzeugungen stehen, sollten auch Wetten gegen die Verantwortungslosen in Betracht ziehen. Das könnte sogar ihren Renditen zu Gute kommen.

Die so genannten „Fonds der Laster“, die Geld in Unternehmen schaufeln, die Waffen, Tabak und Alkohol herstellen, übertreffen in ihrer Kursentwicklung oft den Gesamtmarkt. SRI-Fonds, die nur Long-Positionen vorweisen, gelingt dies eher selten. Aber es gibt viele Wege, um zu gewinnen, wenn man eine Verkaufsposition auf die Lasterhaften abschließt. Nehmen wir einmal das Internet-Glücksspiel. Firmen wie die britische Partygaming sind unter Beschuss geraten, seitdem die USA streng für die Einhaltung ihrer Gesetze gegen Online-Wetten sorgen.

Für umweltbewusste Fonds wie dem von Al Gore sind Unternehmen aus dem Energiesektor ein Hauptziel. Erdölgesellschaften stoßen beim Wiederauffüllen ihrer Reserven auf Schwierigkeiten und dürften abstürzen, wenn die Ölpreise absacken. Andere könnten sich im Vorgriff auf einen Abzug der US-Truppen aus dem Irak für Baisse-Engagements bei Waffenherstellern entscheiden.

SRI-Investoren räumen ein, dass sich eine Wette auf die Tugendhaftigkeit im Allgemeinen nicht so stark auszahlt, wie auf das Laster zu setzen. Und ein Fonds, der nur Long-Positionen eingeht, kämpft angesichts der globalen Abwärtsbewegung der Aktienmärkte ohnehin gegen Windmühlen. Das verwaltete Vermögen der SRI-Fonds ist in den vergangenen zwei Jahren um 18 Prozent gestiegen – verglichen mit einem Plus um drei Prozent für die gesamte Fondsmanagementbranche, berichtet das Social Investment Forum, eine nicht gewinnorientiert arbeitende SRI-Gruppe. Daher werden die Manager nach Wegen suchen müssen, um sich zu profilieren und voneinander abzusetzen. Was gibt es Besseres, als dies über eine Performance-Steigerung zu erreichen – auf Kosten der Verantwortungslosen.

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