Staatliche Hypothekenkonzerne
Setzt Fannie und Freddie frei!

Die staatlichen US-Hypothekengiganten dienen schon lange nicht mehr dem Allgemeinwohl. Außerdem sind sie auch nicht umsichtiger vorgegangen als ihre im Wettbewerb benachteiligten Rivalen auf dem freien Markt. Ihnen sollten die Subventionen entzogen werden, damit sie ihre Überlebensfähigkeit zu denselben Bedingungen, die für andere Finanzinstitutionen gelten, unter Beweis stellen können.

Der „Amerikanische Traum” vom eigenen Haus hat sich für die Subprime-Schuldner zu einem Alptraum entwickelt. Einige Beobachter sind der Meinung, die staatlich regulierten US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac seien Teil der Lösung der Krise. Tatsächlich stellen diese so genannten regierungsgestützten Unternehmen, kurz GSEs, einen enormen Anachronismus mit nur geringem Nutzen für die Allgemeinheit dar. Sie sollten vollständig privatisiert werden und sich dann auf eigene Faust durchschlagen müssen.

Fannie hat in der vergangenen Woche ihre erste “Jahreshauptversammlung“ in dreieinhalb Jahren gehalten. Ihre Aktien sind in diesem Jahr um etwa 40 Prozent gefallen, Freddie Mac haben rund 50 Prozent verloren. Der US-Immobilienmarkt ist aus den Fugen geraten. Es mag auf den ersten Blick anders erscheinen, aber dies ist tatsächlich ein guter Zeitpunkt, um wieder einmal darüber nachzudenken, die GSEs abzunabeln.

Es steht fest, dass ihre Jekyll and Hyde-Natur – auf der einen Seite sind sie Instrumente der Regierung und auf der anderen Seite sind sie gewinnorientiert arbeitende Unternehmen – ihren Wert als Werkzeug für die wirtschaftspolitische Steuerung senkt. Der US-Finanzminister Hank Paulson musste einen branchenweiten Feldzug führen, um die Probleme des Hypothekenmarkts anzugehen. Fannie und Freddie tauchen bei diesen Plänen aber nur am Rande auf. Sie stellen dem Sekundärhypothekenmarkt etwas Liquidität bereit. Das ist nützlich, rechtfertigt aber keine Sonderbehandlung.

Eine echte Privatisierung könnte Jahre dauern. Aber sie wäre der richtige Ansatz. Die Bilanzskandale der vergangenen Jahre bei beiden Gesellschaften haben ihre Selbstgefälligkeit an den Tag gebracht und sie haben die Aktionäre Geld gekostet. Und da sie nicht in der Lage waren, die Probleme bei Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität vorherzusehen, mussten beide GSEs neues Kapital über Milliarden von Dollar aufnehmen. Zudem sind sie immer noch zu groß und zu eng mit der Regierung verknüpft, als dass man ihren Untergang zulassen könnte. Das ist eine moralische Gefährdung hoch zehn und lädt zu undisziplinierter Risikofreude ein.

Außerdem haben sie ihre Mission, dem zergliederten US-Hypothekenmarkt Liquidität zu bereit zu stellen, weitgehend erfüllt. Fannie und Freddie sollten nicht mehr länger von den saftigen Subventionen profitieren, die letztendlich zu Lasten der Steuerzahler gehen. Nach Schätzungen des Etatbüros des US-Kongresses (CBO) kam der Sonderstatus der GSEs 2003 einer Bundesbeihilfe von 42 Mrd. Dollar gleich, die den Gesellschaften vor allem in Form von Finanzierungskosten unter den Marktpreisen zu Gute kam. Dieser Vorteil wiederum stammt aus einer impliziten Regierungsgarantie, die sowohl von den Investoren als auch von den Rating-Agenturen zur Kenntnis genommen wird.

Mehrere US-Regierungen hintereinander haben die Existenz einer solchen Garantie abgestritten, aber der Sonderstatus der GSEs legt etwas anderes nahe. Einige Käufer von Schuldtiteln, darunter die US-Notenbank, können ihre Kredite als mit denen der Regierung gleichgestellt behandeln, und beide Gesellschaften haben Zugang zu symbolischen Kreditlinien des US Treasury. Darüber hinaus sind sie von sämtlichen Einkommenssteuern ausgenommen und von der normalen Verpflichtung, ihre Wertpapiere bei den Aufsichtsbehörden zu registrieren.

Das CBO rechnet damit, dass nur rund zwei Drittel der Beihilfen aus dem Jahr 2003 den Kreditnehmern in Form von billigeren Hypotheken zu Gute gekommen sind. Den Rest haben Fannie und Freddie, in besseren Zeiten, dazu genutzt, um die Aktionäre und Chefs reicher zu machen. Nach verschiedenen Analysen stellen die beiden Firmen auch gar nicht einen so großen Teil ihrer Beihilfen für die Förderung von Wohneigentum für Familien der unteren Einkommensklassen ab. Stattdessen kommen die Einsparungen bei den Hypothekenkosten tendenziell für alle Kreditnehmer im Verhältnis zum Umfang ihrer Kredite in Frage. Die Kritiker unterstreichen, dass dies zusammen mit Steuervergünstigungen die Amerikaner, vielleicht im Übermaß, dazu bewegt, sich Wohneigentum zuzulegen und Hypotheken aufzunehmen. Kurzum, das Geld und die Zeit der Regierung könnten auf bessere Ziele ausgerichtet sein.

Eine Privatisierung würde bedeuten, dass all die Sonderregelungen, die die GSEs genießen, langsam auslaufen. Es wäre auch sinnvoll, die Gesellschaften zu verkleinern und ihr Kapital auf ein Niveau zu bringen, das die Banken halten müssen. In der Zwischenzeit müssten ihre ausstehenden Kredite nach und nach umgeschuldet werden, um auf den Marktpreisen basierende Finanzierungskosten widerzuspiegeln. Auch der mögliche Schaden, den der Übergang für die Aktionäre bringt, müsste vielleicht abgefedert werden. Aber selbst wenn die Regierung die Aktionäre von beiden GSEs auszahlen und die Unternehmen neu an die Börse bringen müsste, würde das zu den Aktienkursen vom Freitag nur 56 Mrd. Dollar kosten. Das ist nur ein Drittel mehr als der Betrag, den das CBO für 2003 als Beihilfe für ein Jahr geschätzt hat.

Aber da die wirtschaftspolitisch Verantwortlichen so scharf wie schon lange nicht mehr darauf sind, auf den Wohnungsbaumärkten zu intervenieren, wird dies wahrscheinlich nicht eintreten. Das ist eine Schande. Man sollte die beiden Giganten frei setzen. Dann würde sich herausstellen, was – wenn überhaupt - sie wirklich zum „Amerikanischen Traum“ beitragen.

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