Staatliche Lust am Luxus
China brezelt sich auf

Die China Investment Corporation, Heim von etwa 200 Mrd. Dollar Devisenreserven, spielt laut chinesischen Pressemeldungen mit dem Gedanken, sich an Luxus-Konzernen wie LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton, Richemont oder PPR zu beteiligen. Klingt seltsam, aber nachvollziehbar.
  • 0

China beteiligte Die China Investment Corporation, Heim von etwa 200 Mrd. Dollar Devisenreserven, spielt laut chinesischen Pressemeldungen mit dem Gedanken, sich an Luxus-Konzernen wie LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton, Richemont oder PPR zu beteiligen. Klingt seltsam, aber nachvollziehbar.

China beteiligte sich in diesem Jahr bereits an einer Reihe von Minen und Energiekonzernen. Aus der Perspektive eines ambitionierten Landes haben Haute Couture und Handelsgüter viel gemeinsam. Die chinesische Industrie verschlingt ausländische Metalle, die aufstrebende Mittelschicht verzehrt sich nach Vuitton. Für 2008 meldet die Beratungsfirma Bain Luxusgüter-Verkäufe von 7,6 Mrd. Dollar. Guccis China-Absatz stieg im letzten Quartal um 28 Prozent.

Gleichzeitig fallen die Aktien der Edelkonzerne rasant. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von LVMH, Swatch und Bulgari ist jeweils ein Drittel niedriger als im Vorjahr. Für China eine doppelte Verlockung. Erstens kann China so einen Teil seiner Investition durch den Konsum seiner Bürger wieder einbringen. Trotz hoher chinesischer Luxussteuern würde das Land durch die Beteiligung an den Herstellern von Übersee getätigten Einkäufen profitieren.

Zweitens sind Luxus-Beteiligungen auch ein weiterer Schritt zur Unabhängigkeit. Bodenschätze kann man nicht herstellen; Prestige lässt sich theoretisch überall generieren. China braucht Fachwissen - große Hersteller-Investitionen könnten helfen.

Was aber halten die Mode-Moguln davon? Traditionell gehen die Gründerfamilien finanziell konservative Wege, doch ihr Haupteinkommen aus bestehenden Märkten ist stark am schrumpfen. Sie könnten sich über billige Finanzspritzen freuen und die Neukontakte nutzen. Ein großer, staatseigener Investor könnte den Luxuskonzernen bei chinesischen Planungsrichtlinien und als Verbündeter im Kampf gegen Produktpiraterie hilfreich sein.

Ob bei harten Bodenschätzen oder edlen Halstüchern - als weltgrößter Absatzmarkt hat man sowieso immer gute Argumente.

Kommentare zu " Staatliche Lust am Luxus: China brezelt sich auf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%