Staatliche Mittelaufnahme
Wenn Staaten an der Schuldenuhr drehen

Die Schuldtitel-Emissionen in den USA und in Europa werden Rekordstände erreichen, während die Regierungen ihre Defizite und Rettungsaktionen finanzieren. Das ist problematisch für die politisch Verantwortlichen, die die steigende Schuldenlast ihrer Länder steuern müssen. Und auch für andere - Investoren und nicht staatliche Kreditnehmer – nehmen die Herausforderungen zu.

Eine neue Ära der Mittelaufnahme der öffentlichen Hand setzt ein. Die Emissionen in den USA und in Europa werden Rekordhöhen erklimmen, während die Regierungen ihre Defizite und Rettungsaktionen finanzieren. Das ist problematisch für die staatlichen Finanzmanager. Aber auch für die anderen, darunter Investoren und nicht staatliche Kreditnehmer, nehmen die Herausforderungen zu.

Die USA nehmen ohnehin schon jede Menge auf, aber die Schuldenlast gewinnt enorm an Gewicht, wenn man einige Schätzungen über die neue Mittelaufnahme der öffentlichen Hand heranzieht, die im laufenden Fiskaljahr zwei Bill. Dollar überschreiten dürfte. Die für die öffentlichen Finanzen Zuständigen werden sich eher auf die Begebung von längerfristigen Schuldtiteln verlegen müssen, um die Rückzahlungen aufzuschieben und breiter zu verteilen. Der dreißigjährige "long bond" ist ein möglicher Kandidat, aber das US-Finanzministerium hat im November auch die Auktionen dreijähriger Notes wieder eingeführt, wahrscheinlich um die Abhängigkeit der Regierung von Schuldtiteln etwas zu verringern, die innerhalb von Wochen oder Monaten zurückgezahlt werden müssen.

Vorerst wird die Aufgabe durch niedrige Kreditkosten erleichtert. Die Nachfrage nach einem "sicheren Hafen" in Form von dreimonatigen US-Schatzwechseln ist zum Beispiel so stark, dass die Investoren sie bereitwillig in Besitz nehmen, obwohl sie fast keine Zinsen dafür kriegen. Zehn- und dreißigjährige US-Anleihen werfen rund drei bzw. 3,5 Prozent ab - historisch niedrige Zinsen.

Doch dies wird nicht ewig so weitergehen. Die unmittelbar bevorstehende Flutwelle des staatlichen Kreditangebots könnte einige Käufer zum Abdrehen bewegen. Und wenn die Investoren erst einmal ihre Ängste bewältigt haben und wieder gierig werden, könnte die Nachfrage nach Staatstiteln kräftig nachgeben - wodurch die Kurse fallen und die Zinsen steigen. Das ist sowohl für die Experten der öffentlichen Finanzen als auch für die Investoren ein Planungsdilemma.

Außerdem besteht die Gefahr, dass der Privatsektor verdrängt wird. Da Investitionsgelder rar sind, werden schon kontroverse Stimmen laut, wie wünschenswert vom Finanzministerium begebene US-Staatstitel, Schuldtitel und verwandte Obligationen der staatlich kontrollierten Fannie Mae und Freddie Mac sind, und wie wünschenswert von der Regierung garantierte Titel, die von den Banken emittiert werden.

Ganz gewöhnliche Darlehensnehmer unter den Unternehmen - die unter anderem Mittel brauchen, um ihre Lagerbestände, Gehälter und Investitionen zu finanzieren - könnten kaum mehr beachtet werden, selbst wenn sie eine solide Kreditposition haben. Diese Situation sollte sich entspannen, wenn die Investoren erst einmal wieder risikobereiter sind. Aber umfangreiche Emissionen von Staatstiteln könnten diesen Wendepunkt hinausschieben und weiterhin zu einem Ausschluss privater Kreditnehmer beitragen.

Sicher, die Regierungen haben kaum eine andere Wahl, als Schulden aufzunehmen, um das Finanzsystem am Laufen zu halten, während nun eine Jahre lange exzessive Mittelaufnahme im Privatsektor wieder abgewickelt wird. Aber die daraus entstehende Schwemme an staatlichen Schuldtiteln könnte das Finanzspiel auf unerwartete Weise verändern.

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