Staatsfinanzen
Dubai wird keine zweite Fianzkrise auslösen

Nach den Schäden in Billionenhöhe war es erschreckend zu sehen, wie sehr sich der globale Markt durch Schulden von gerade einmal 80 Milliarden US-Dollar aus der Bahn werfen ließ. Vielleicht steht uns wirklich noch ein nächstes Kapitel der Finanzkrise bevor, Dubai wird es aber nicht schreiben.
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Die Bauchschmerzen, die Dubai der Welt bereitet, zeigen, wie weit wir in den letzten neun Monaten gekommen sind. Das Urteil: ein gutes Stück voran, aber noch weit vom Ziel entfernt.

Die gute Nachricht ist, dass ein so kleines Problem Investoren so stark erschüttern kann. Das bedeutet nämlich auch, es gibt kaum andere Gründe in Panik zu geraten. Anfang 2009 wäre es nur eine Sorge mehr gewesen, wenn Dubai World verkündet hätte, man bemühe sich bei seinen Gläubigern um einen Zahlungsaufschub für Verbindlichkeiten in Höhe von 59 Milliarden US-Dollar - und ein paar weitere Milliarden Schulden des Emirats seien zusätzlich gefährdet.

Der reiche Nachbar Abu Dhabi wäre wohl vor knapp einem Jahr genauso bereit gewesen in die Bresche zu springen wie heute auch. Hinzu kommt noch, dass damals, bei einem Ölpreis unter 50 Dollar pro Barrel, der Wohlstand der gesamten Region in Gefahr war. So gesehen würde ein Ausfall von Dubais Beistandszusagen, deren Inanspruchnahme schon immer eher unwahrscheinlich war, eher wie ein schlechter Scherz als eine Tragödie wirken.

Die schlechte Nachricht ist, dass weit entfernte Börsen auf eine so unbedeutende Entwicklung so heftig reagiert haben - umso unbedeutender, als der Ölpreis inzwischen wieder auf über 70 Dollar pro Barrel steht. Die Reaktion wurde zugegebenermaßen durch die fehlende Liquidität am Markt übertrieben - am 26. November fehlten aufgrund von Feiertagen sowohl Investoren aus den USA wie auch aus muslimischen Ländern. Aber der Effekt, den ein so geringer potenzieller Verlust hervorgerufen hat, zeigt, wie dünn die Haut der Anleger sein muss.

Die Dubai-Wirren werden die Zentralbanker darin bestärken, noch abzuwarten, bevor sie die monetären Zügel wieder anziehen. Sie warten, bis sich abzeichnet, dass die Erholung sich alleine trägt. Solange Investoren aber noch bei jeder erstbesten dramatischen Schlagzeile einknicken, wird es dazu nicht kommen.

Einige ängstliche Anleger sehen in Dubais Problemen, dass die Finanzkrise sich fortpflanzt; entweder weil sie einen Hinweis darauf geben, dass die Immobilienverluste weltweit größere Ausmaße annehmen werden als bisher erkennbar oder weil Zweifel an der Unterstützung für einige Problemschuldner aufkommen. Solche Ängste allerdings scheinen weit überzogen. Dubais Probleme waren lange bekannt und Abu Dhabis Verpflichtung, die Schäden zu begrenzen, klingt glaubwürdig.

Vielleicht schreibt die Finanzkrise noch ein nächstes Kapitel. Die Blase der asiatischen Vermögenswerte könnte schmerzhaft platzen, Anleger könnten aufhören, Papiere einer der größeren überschuldeten Regierungen anzukaufen oder die Rezession könnte zurückkehren und noch ein paar Banken in den Ruin treiben. Dubais Probleme allerdings dürften in der Reihe der möglichen Ursachen ganz hinten stehen, bei den geplatzten Immobilienträumen.

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