Staatsfinanzen
Dubai zeigt die Probleme billiger Liquidität

Hohe Haushaltsdefizite und ultra-niedrige Zinsen haben viele Märkte gepusht und dazu beigetragen, die globale Rezession zu beenden. Dubais Probleme zeigen allerdings, dass der staatlich geführte Blitzkrieg nicht alle Exzesse des Kreditbooms ausradieren kann. Ein gefährlicher Nebeneffekt der Politik des leichten Geldes zeigt sich auch im Kursverfall des Dollar.
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Jeder weiß, dass Geld kein Allheilmittel ist. Cash kann keine gebrochenen Herzen heilen und so weiter. Aber die Nachrichten aus Dubai und von den Devisenmärkten zeigen, dass Geldströme im Überfluss auch nicht alle Finanzprobleme lösen können.

Vielleicht haben noch nicht alle Schuldner wieder leichten Zugang zu Krediten, aber die Regierungen und Zentralbanken der Welt überschütten die Märkte haufenweise mit billiger Liquidität. Die Leitzinsen sind so niedrig wie nur irgend möglich und die Haushaltsdefizite, durch die zusätzliche Mittel in das Finanzsystem gepumpt werden, sind fast überall auf der Welt schwindelerregend hoch.

Der multilaterale und vielfältige Stimulus hat viele Märkte inspiriert - von Rohstoffen bis hin zu asiatischen Immobilien, Aktien, Krediten und staatlichen Schuldtiteln. Ohne ihn wären die Verluste der Banken höher und die Rezession wohl sehr viel tiefer und länger ausgefallen. Niemand hätte eine bessere Idee haben können, um mit der geplatzten Kreditblase fertig zu werden.

Aber die Liquiditätsflut kann nicht jeden bizarren Kreditberg glätten. In Dubai sollten die Öleinnahmen aus der Nachbarschaft und Kredite aus der ganzen Welt dazu dienen, ein neues Drehkreuz für die Finanzwirtschaft zu schaffen. Jetzt sind die Mittel aufgebraucht.

Am Mittwoch Nachmittag bat Dubai World, die größte Holdinggesellschaft des Emirats, ihre Gläubiger um einen Zahlungsaufschub für die fälligen Raten auf einen Kredit über rund 60 Milliarden US-Dollar. Eine gründliche Umstrukturierung ist für Dubai sicher der beste Weg nach vorn, aber für die Investoren war es ein Schock. Der Spread auf die staatlichen Credit Default Swaps sprang um einen Prozentpunkt nach oben und die europäischen Aktienmärkte gaben am Donnerstagmorgen um zwei Prozent nach.

Dubais Probleme sind ein Relikt aus der Vergangenheit. Die Zukunft verursacht ebenfalls Sorgen - niemand weiß, wie die Märkte und Volkswirtschaften reagieren werden, wenn die Konjunkturprogramme eingestellt werden. Der Goldpreis steigt zum Großteil deswegen, weil Investoren das gelbe Metall kaufen, um sich gegen monetäre Kalamitäten abzusichern.

Die Liquiditätsstütze verursacht aber auch schon heute beunruhigende Nebenwirkungen. Niedrige Dollarzinsen und die Angst vor zukünftiger Inflation setzen den Dollar unter Druck. Am Donnerstag fiel er unter 87 Yen und damit auf den niedrigsten Stand seit 1995. Schon ist die Rede von Handelsverwerfungen und Regierungsinterventionen.

Die letzte Krise ist vorbei. Die Erholung hat noch kaum begonnen.

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