Staatsfonds & Finanzinstitute
Können Staatsfonds westliche Banken retten?

China möchte dem Beispiel Abu Dhabis folgen und zum Marktstabilisator für Finanzinstitute werden. Würden alle großen Staatsfonds die Vermögensverteilung von Singapurs Temasek nachahmen, stünden dafür 300 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Damit könnte so manches Problem gelöst werden – zumindest in der Theorie.

China sagt, es möchte dem Beispiel der Abu Dhabi Investment Authority (Adia) folgen und als Stabilisator für von der Hypothekenkrise gebeutelte Finanzinstitute dienen. Adia hatte sich kürzlich bereit erklärt, 7,5 Milliarden US-Dollar für einen Fünf-Prozent-Anteil an der Citigroup zu investieren.

Theoretisch schwappt so viel Geld herum, dass Staatsfonds das westliche Finanzsystem mit links retten könnten. Man muss sich nur vorstellen, dass alle großen Spieler die Vermögensaufteilung der lange etablierten Staatsholding Temasek aus Singapur übernehmen. Temasek investiert im großen Stil in Finanzwerte und ist auch im Westen ziemlich aktiv. Auch wenn es keine genauen Zahlen gibt, so dürften doch zehn bis 15 Prozent des 108 Milliarden US-Dollar schweren Temasek-Portfolios in westlichen Finanzinstituten stecken.

Wenn man nun bei den 20 größten Staatsfonds eine ähnliche Vermögensverteilung annimmt, käme man bei einem geschätzten Gesamtvermögen von 2,4 Billionen US-Dollar auf eine Kriegskasse von theoretisch 300 Millionen US-Dollar. Damit könnten die meisten – wenn nicht gar alle – Löcher gestopft werden, die die Kreditkrise aufgerissen hat. Denn die Hypothekenkrise könnte am Ende zwar Verluste von rund 500 Milliarden US-Dollar nach sich ziehen, nicht alles davon wird sich aber in den Bilanzen der Banken niederschlagen.

In der Praxis ist es allerdings unwahrscheinlich, dass die Fonds ihr Geld so anlegen werden. Temasek ist ungewöhnlich aggressiv im Finanzsektor, nur wenige andere Staatsfonds werden dort so tief oder so schnell eintauchen wollen. Dabei ist der Zeitpunkt für Investitionen im Westen außergewöhnlich gut. Wenn Kapital verzweifelt gesucht wird, dürften sich auch die politischen Empfindlichkeiten angesichts ausländischer Beteiligungen in strategischen Branchen verflüchtigen.

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