Staatshilfen
US-Autobauer Ford: Vergebene Tugendhaftigkeit

Ford erleidet Wettbewerbsnachteile, weil Uncle Sam seinen beiden US-Konkurrenten unter die Arme greift. Als Spitzenaktionär von General Motors gerät die US-Regierung darüber hinaus in einen Interessenskonflikt. Ford mag zwar keine direkte Unterstützung benötigen, aber es gibt Wege, wie die Regierung für einen fairen Ausgleich sorgen kann.
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Wenn General Motors (GM) Gläubigerschutz beantragt, bleibt Ford Motor als einziger unter den großen Drei aus Detroit übrig, der eine aktionärsfeindliche Rettung durch die US-Regierung vermieden hat. Wenn der Automarkt weiter schrumpft, dann könnte diese Auszeichnung allerdings von nur kurzer Dauer sein. Wenn nicht, ist sie ein Beweis für die harte Arbeit des Autobauers, seine kluge Finanzplanung und sein kompetentes Management.

Was bekommt Ford nun für seine Tugendhaftigkeit? Bis jetzt nicht viel. Es war zwar ein schöner Zug, dass US-Präsident Obama für die Produkte von Ford ein wenig Werbung machte und dem Ford-Chef Alan Mulally aufmunternd auf die Schulter klopfte, als er die neuen US-Emissionsstandards vorstellte. Aber die Wettbewerbsvorteile, die Uncle Sam GM mit seinen lebensrettenden Maßnahmen - und mit den Milliarden, die er in Chrysler steckt - verleiht, müssen Ford Sorgen bereiten.

Wenn seine beiden Hauptkonkurrenten auf dem Binnenmarkt nach einem kurzen Aufenthalt in der Chapter 11-Waschanlage wiederaufkreuzen, dann werden sie sich auch ihrer in der Vergangenheit aufgehäuften Kostenprobleme entledigt haben und ihre Händlernetze in einer Art und Weise zusammengestutzt haben, wie es Ford außerhalb eines Insolvenzverfahrens nicht möglich ist. Und als Aktionär mit 72,5 Prozent der GM-Anteile hat die US-Regierung einen Anreiz - und möglicherweise sogar die Sorgfaltspflicht -, GM vorzuziehen.

Um diese Vorstellung zu entkräften, müsste die US-Regierung umgehend handeln, um für faire Bedingungen zu sorgen. Doch viel hat sie dabei nicht in der Hand. Das Weiße Haus könnte politisch ein wenig die Muskeln spielen lassen, um die Nachfrage nach Autos anzukurbeln, indem sie ein der deutschen Abwrackprämie nachempfundenes Gesetz bei seiner langsamen Fahrt durch den US-Kongress ein wenig anschiebt. Zudem könnte sie dafür sorgen, dass billige Kredite des US-Energieministeriums für die Entwicklung verbrauchsärmerer Fahrzeuge schneller bereitgestellt werden.

Und Uncle Sam sollte seine Bemühungen aufrechterhalten, die Finanzierungsmärkte zu stützen, auf die Ford Motor angewiesen ist, um Kredite an Käufer herauszulegen. Das könnte bedeuten, dass die Fazilität der Federal Reserve zur Finanzierung von Commercial Paper und die Term Asset-Backed Securities Loan Facility, die den Verbriefungsmarkt stützen soll, verlängert werden.

Diese beiden Maßnahmen würden natürlich allen Autoherstellern zu Gute kommen. Aber wenn Ford gut beraten ist, wird das Unternehmen seinen Status, der einzige finanziell tugendhafte US-Autobauer geblieben zu sein, ausnutzen, um sich einen größeren Marktanteil zu sichern.

Doch es gibt noch einen Ansatz, mit dem die US-Regierung ganz speziell Ford unterstützen könnte: eine schnelle Genehmigung des seit langem gestellten Antrags für den Finanzbereich des Autoproduzenten, eine Industrial Loan Corporation zu eröffnen. Sie würde es Ford Motor Credit ermöglichen, Einlagen zu sammeln und ihre Gesamtfinanzierungskosten zu senken. Damit könnte der Vorteil ausgeglichen werden, den GMAC, der Finanzierungspartner von GM, erlangt hat, indem er in eine Bankholding umgewandelt wird, deren Solvenz einzig und allein von der US-Regierung abhängt.

Davon einmal abgesehen steht Ford allein auf weiter Flur. Positiv wirkt sich aus, dass die Führungskräfte des Autobauers sich bereits als überdurchschnittlich kompetent erwiesen haben, was eine Umstrukturierung außerhalb eines Insolvenzverfahrens angeht. Zusammen mit der dürftigen Hilfe, die von der US-Regierung zu erwarten ist, dürfte dies Mulally darin bestärken, Ford konkurrenzfähig zu halten, ohne auf das Insolventgericht zurückgreifen zu müssen. Wenn nicht, dann waren all die vergangenen Jahre tugendhafter Sorgfalt vergebens.

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