Stabile Märkte
Die trügerische Stabilität des Ölpreises

Seit vier Monaten bewegt sich der Ölpreis zwischen 60 und 75 US-Dollar pro Fass. Es gibt keinen absolut angemessenen Wert, aber 70 US-Dollar erscheinen wie ein vernünftiger Haltepunkt. Stabile Märkte würden nahezu jedem helfen. Die Erzeugergemeinschaft Opec dürfte sich aber schwer tun, den Ölpreis in einer überwiegend finanzbestimmten Welt auf stabilem Niveau zu halten.
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Als Mexiko Ende vergangenen Jahres Schutz vor niedrigeren Ölpreisen suchte, sicherte man sich zum Kurs von 70 US-Dollar pro Fass ab. Die Maßnahme zahlte sich ordentlich aus, denn wegen eines bis auf 35 US-Dollar fallenden Ölpreises erzielte Mexiko dadurch Gewinne von rund 6,5 Milliarden US-Dollar. Die in der Opec zusammengeschlossenen Förderländer würden diese Art von Wetten gerne weniger profitabel machen. Die Erzeugergemeinschaft will den Ölpreis nahe bei 70 US-Dollar halten, nicht weit von seinem heutigen Stand entfernt.

Es gibt keinen absolut angemessenen Preis für Öl. Weder gab es einen Angebotsüberschuss, als das schwarze Gold im letzten Jahr bei 40 US-Dollar notierte, noch gab es eine wirkliche Knappheit des Angebots, als der Preis vor drei Jahren über 140 US-Dollar stieg. Fürs Erste würden die meisten Branchenkenner wohl dem saudi-arabischen Ölminister Ali al-Naimi zustimmen, der zum aktuellen Preis sagt, dieser sei "gut für jeden, Konsumenten und Produzenten." Die Stabilisierung des Preises wird das Ziel der Opec sein, die sich am Mittwoch trifft.

Doch sicherlich ist der Ölpreis zu hoch, wenn ein großer Produzent damit glücklich ist. Die weltweite Ölbranche dürfte auch bei Fasspreisen von 50 oder gar 40 US-Dollar Investitionen und Produktion auf angemessenem Niveau aufrecht erhalten können.

Nach einen Jahr atemberaubender Preisschwankungen könnten die Verbraucher bereit sein, für mehr Stabilität mehr zu bezahlen. Das tun sie bereits seit Mai, denn seitdem pendelt der Ölpreis in einer relativ engen Spanne zwischen 60 und 75 US-Dollar pro Fass. Der Markt ist jedoch nicht im Gleichgewicht, sondern in verschiedener Hinsicht gleichermaßen unausgewogen. Auf der einen Seite stehen die schwache Wirtschaft, fallende Nachfrage und rasch wachsende Lagerbestände. Auf der anderen Seite stehen Anleger, deren Taschen mit Anlageziele suchendem Geld vollgestopft sind.

Die Produzenten scheinen gewillt, ihren Teil beizutragen. Vor allem Saudi-Arabien nimmt seine selbst gewählte Verantwortung als Ausgleichsproduzent sehr ernst. Das Land hat einerseits seine Kapazitäten ausgebaut und andererseits die Produktion gekürzt. Wenn die allseits erwartete globale Erholung bald kommt, sollte die Nachfrage steigen, um zum Angebot zu passen. Fällt die Erholung kräftig aus, sollte genug Angebot vorhanden sein, um die Nachfrage zu stillen.

Es gibt aber auch noch die Finanzmärkte. Noch wurde kein Weg gefunden, mit der sich ständig verändernden Mischung aus Angst, Gier und Geldpolitik zurechtzukommen, die die Preise aller Vermögenswerte bestimmt. Solange Zentralbanken und Regierungen hier keine Abhilfe schaffen, dürfte es der Opec schwer fallen, mehr als nur ein paar Monate lang für Preisstabilität zu sorgen.

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