Starbucks
Kaffeepause

In Amerika Filialen zu schließen, könnte der ins Wanken geratenen Starbucks helfen. Aber ist die hektische Eröffnung von Filialen in Dubai und Shanghai auch Teil der Antwort auf die Probleme der Kaffeehauskette? Die Schwierigkeiten des Unternehmens in Australien deuten auf etwas anderes hin. Starbucks muss ihre Sucht nach schnellem Wachstum abschütteln.

Ein ausgereiftes Unternehmen geworden zu sein, hat Starbucks schwer getroffen. Während die Einnahmen im Inland im ersten Quartal zwar zugelegt haben, sind die Umsätze auf vergleichbarer Verkaufsfläche tatsächlich aber geschrumpft. Die Kaffeehauskette hat den Fehler begangen, mehrere Läden in Sichtweite zueinander und einige davon in Gegenden mit geringer Verkehrsdichte eröffnet zu haben. Weder das eine noch das andere ist eine gute Idee. Die Schließung von 600 Cafés in den USA - das entspricht in etwa fünf Prozent der Gesamtzahl - ist für den Anfang schon ganz gut. Aber gehört die hektische Eröffnung neuer Läden im Ausland auch zur Lösung ihrer Probleme? Die Schwierigkeiten der Firma in Australien scheinen dem zu widersprechen. Starbucks muss sich von der Sucht nach schnellem Wachstum befreien.

Die Aktien der Kaffeebrauer mögen zwar im vergangenen Jahr um mehr als 40 Prozent gefallen sein, aber sie werden immer noch zum 19fachen der für 2008 geschätzten Ergebnisse gehandelt. Da keine Dividende gezahlt wird, setzt dies ein schnelleres Wachstum als das der Wirtschaft insgesamt voraus. Wenn der amerikanische Markt ausgereift ist, ist die internationale Expansion vielleicht eine Alternative. Starbucks will bis 2011 im Ausland 1 300 Läden im Jahr eröffnen. Die Margen lagen bis jetzt weit darunter, aber zumindest kann das Unternehmen bisher unerforschte Märkte anzapfen.

Aber irgendetwas passt hier nicht ins Bild. Starbucks, das von Howard Schultz geleitet wird, hat angekündigt, fast drei Viertel ihrer 84 Standorte in Australien zu schließen. Das Unternehmen beklagt, mit Verspätung in Down Under gelandet zu sein, als sich die Wettbewerber dort schon verschanzt hatten. Vielleicht. Allerdings ist es erwähnenswert, dass Australien, wie die USA, einen durch Kredite angetriebenen Immobilienboom erlebt hat, der sich nun deutlich abschwächt. Die Schwierigkeiten von Starbucks in den USA sind auch mit dem Zusammenbruch des Immobilienmarkts und den verringerten Verbraucherausgaben verknüpft - es ist kein Zufall, dass die Immobilienopfer Las Vegas und San Diego auf der Liste der Standorte, die Starbucks schließt, auf Platz eins und zwei stehen.

So gesehen könnte sich die Lage in den USA durchaus noch verschlechtern. Und für die Ambitionen der Kette in Spanien und Irland verheißt dies auch nichts Gutes. Natürlich wären da immer noch Dubai, Shanghai und Mumbai. Starbucks geht davon aus, dass sich ihre künftige Expansion vorwiegend an Plätzen wie diesen abspielen wird. Doch selbst diese Volkswirtschaften sind anfällig für eine globale Abschwächung - und die Eröffnung, aber besonders die Schließung, von Filialen kostet Geld. Vielleicht sollte Starbucks einfach ein wenig abbremsen und seinen Cash Flow auskosten, als weiterhin jedem Boom hinterher zu jagen.

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