State Street: Nightmare on State Street

State Street
Nightmare on State Street

Die Aktien von State Street sind um mehr als 50 Prozent gefallen, auch wenn die Manager der Bank darauf beharrten, dass in den Vermögenswerten ihrer Zweckgesellschaften über etwa 24 Mrd. Dollar immer noch Leben steckt. Das mag zwar stimmen, aber die Chefs von State Street hätten wissen müssen, dass die Investoren nur noch wenig auf die Beteuerungen einer Finanzgesellschaft geben.

Die Führungskräfte von State Street werden sich vielleicht darüber ärgern, dass die Titel ihrer Bank am Dienstag nach der Vorlage der Ergebnisse im vierten Quartal um mehr als 50 Prozent eingebrochen sind. Aber wundern sollten sie sich nicht darüber. Sicher, dem Depot- und Asset Manager ist es gelungen, selbst nach einem außerordentlichen Aufwand über etwa 780 Mill. Dollar noch einen - mit 65 Mill. Dollar kleinen - Gewinn zu verbuchen. Aber die Versuche der Manager, die Investoren zu beruhigen, indem sie beteuerten, sie müssten sich keine Sorgen über das Investmentportfolio und die Zweckgesellschaften der Firma machen, die zusammen nicht realisierte Verluste über weitere 4,7 Mrd. Dollar angesammelt haben, haben stattdessen eine Panik ausgelöst.

Das ist nur allzu verständlich. Wenn die Führungskräfte einer Bank in den vergangenen 18 Monaten eines gelernt haben sollten, dann dies, dass die Anteilseigner - seien es Aktionäre, Anleiheinhaber oder Gegenparteien - heutzutage sehr schnell reagieren, um zu zeigen, wie wenig Vertrauen sie noch in die Beteuerungen von Finanzfirmen setzen.

State Street wollte die Investoren eigentlich besänftigen, indem die Bank darauf verwies, dass strukturierte Wertpapiere über acht Mrd. Dollar in ihrem Investmentportfolio, die im vergangenen Jahr fällig wurden, sich zum Nennwert auszahlten, dass keine der verbleibenden Wertpapiere im Portfolio oder in den Zweckgesellschaften in Zahlungsverzug geraten sind und dass sich dies für den allergrößten Teil der Bestände auch nicht ändern wird.

Das mag sein. Aber die Anleger ignorierten diese Erklärungen und konzentrierten sich stattdessen auf die unmittelbaren Auswirkungen, die die allerschlimmsten Szenarien auf das Kapital von State Street hätten. Das gesamte den Aktionären zurechenbare Eigenkapital der Bank abzüglich Goodwill und identifizierbarer immaterieller Vermögenswerte liegt derzeit bei soliden 4,5 Prozent. Aber wenn man die jüngsten, nicht realisierten Verluste berücksichtigt, dann würde diese Kennzahl auf etwa 3,3 Prozent sinken. Selbst das ist nicht allzu schlimm. Aber wenn man dann noch annimmt, dass State Street vielleicht zudem ihre restlichen rund 24 Mrd. Dollar außerbilanziell geführter Zweckgesellschaften konsolidieren muss, dann würde die Quote die prekäre Zone von etwa einem Prozent erreichen.

Falls die einträte, würde State Street rund 2,7 Mrd. Dollar an neuem Eigenkapital benötigen, um das vom Management selbst aufgestellte Ziel von drei Prozent wieder zu übertreffen, rechnet Barclays Capital vor. Das entspräche 144 Mill. Aktien, wenn man die Marktpreise von Dienstagmittag heranzieht, was rund einem Drittel der Summe der derzeit umlaufenden Aktien des Unternehmens gleich käme. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Firmenleitung dieser Idee ablehnend gegenüber steht. Vielleicht stellt sich der jähe Fall des Aktienkurses der Bank als kurzzeitiger Tiefpunkt heraus, wie State Street-Chef Ronald Logue sicherlich hofft. Aber da die Märkte nur allzu bereit sind, die Firmen jetzt gleich für ihre möglichen künftigen Sünden zu bestrafen, könnte State Street noch eine ganze Weile unter der Skepsis der Anleger leiden.

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