Stellenabbau
Banken: Erst feuern, dann heuern

Noch sind im Investment Banking nicht genug Köpfe gerollt. Die jüngsten Bankfusionen werden weitere Entlassungen mit sich bringen. Einige Firmen ziehen sich weiter zurück. Andere aber werden sich Marktanteile sichern wollen und deshalb nicht mehr allzu viele Mitarbeiter feuern. Und einige könnten den Stellenabbau sogar übertrieben haben.
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Im Investment Banking sind schon viele Köpfe gerollt. Könnte der Aderlass nun zu einem Ende kommen? Die Aussichten sind düster, weitere Kürzungen gewiss. Aber einige Banken könnten es mit den Entlassungen sogar übertrieben haben und zu Neueinstellungen bereit sein.

Ein in seinem Umfang erstaunlicher Stellenabbau, wie ihn etwa in dieser Woche die schweizerische UBS mit Kürzungen um weitere 8700 Mitarbeiter angekündigt hat, wird seltener. Aber es spricht immer noch einiges für zusätzliche Stellenstreichungen. Bei vielen Banken sinken die Gebühren und Einnahmen nach wie vor viel schneller als die Zahl ihrer Mitarbeiter.

Bei der UBS wird der zusätzliche Stellenabbau, der gerade angekündigt worden ist, die Belegschaftsstärke auf den Stand von 2004 zurückführen. Doch damals hatten die Einnahmen der Bank um 20 Prozent höher gelegen als das Niveau, von dem die Analysten im Mittel der Prognosen für 2009 ausgehen. Aufgrund von Veränderungen in der Zusammensetzung der Geschäftsbereiche sind solche Vergleiche zwar etwas grob, aber dennoch eindrucksvoll.

Die Konsolidierung der Branche wird zweifelsohne weitere Abgänge zur Folge haben. Die Bank of America wird bei der neu erworbenen Merrill Lynch sicher noch einige Mitarbeiter ausmachen, auf die sie verzichten kann. Und an Teilbereiche von Dresdner Kleinwort wird gewiss der neue Eigentümer Commerzbank noch einmal den Rotstift anlegen.

Andererseits angeln jetzt die Finanzinstitute, die den großen Umbruch der Branche im vergangenen Jahr überlebt haben, aggressiv nach den Marktanteilen, die die gefallenen Konkurrenten aufgeben mussten. Viel versprechende Erstquartalsergebnisse könnten ihnen Zuversicht verleihen. Einige Firmen haben vielleicht mit Absicht zu viele Mitarbeiter auf die Straße gesetzt, um die Stellen jetzt mit talentierteren Kräften zu besetzen, die auf der Suche nach Arbeit sind.

Das Drängeln um die besten Positionen zeichnet sich schon ab. Und nicht nur positive Verlautbarungen von Barclays, Deutsche Bank, Goldman Sachs, JPMorgan und Konsorten locken. Auch Parvenus wie die Société Générale haben sich in eine gute Ausgangslage gebracht, um sich Wettbewerbsvorteile durch selektive Neueinstellungen zu verschaffen.

Wenn der Aderlass schließlich vorüber ist, werden die Akteure ganz anders aussehen als zu den Boom-Zeiten. Banker gehen davon aus, dass die Branche zusammengenommen um rund 25 Prozent kleiner werden muss. Aber Abschlüsse und polarisierende Begierden, an diesem Geschäft teilzuhaben, werden dazu führen, dass einige Firmen um weniger schrumpfen werden - und andere dagegen um beträchtlich mehr.

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