Stellenabbau bei US-Bank
Citigroup: Alter Wein in neuen Schläuchen

Vikram Pandit wirft mit großen Zahlen um sich: 50 000 Citigroup-Mitarbeiter müssen gehen, 20 Prozent der Ausgaben werden gekürzt. Das hört sich nach einem Schritt an, der den Führungsanspruch Pandits bei dem Bankenriesen untermauern sollte. Das Problem dabei ist, dass all die großen Zahlen nicht ganz neu sind.

Vikram Pandit wirft mit großen Zahlen um sich. Wie der Chef der Citigroup seinen Mitarbeitern mitteilte, werden 50 000 von ihnen in ein paar Monaten nicht mehr für die Megabank arbeiten. Darüber hinaus will er die Gesamtkosten bis zum nächsten Jahr um ein Fünftel senken. Das hört sich ganz nach einem Schritt an, der für eine Bank, die im vergangenen Jahr mehr als 20 Mrd. Dollar verloren hat, angemessen entschlossen ist. Aber ein Großteil dieser jüngsten Kürzungsrunde war bereits bekannt.

Nehmen wir einmal die Kostenkürzungen. Den Aufwand um ein Fünftel zu senken, hört sich eindrucksvoll an - aber Pandit hatte schon vor sechs Monaten einen ähnlichen Plan vorgestellt. Der Unterschied liegt darin, dass er jetzt davon ausgeht, dass sich die Einsparungen zum Ende des kommenden Jahres einstellen, 18 Monate früher als ursprünglich geplant. Das sind zwar gute Nachrichten für die Aktionäre, welterschütternd sind sie allerdings nicht.

Und was den Stellenabbau angeht, so war ein guter Teil davon ebenfalls bereits bekannt: Da die Citigroup Bereiche in Deutschland und Indien verkauft, fallen ohnehin schon einmal rund 18 000 Stellen weg. Weitere Arbeitsplatzkürzungen könnten folgen, wenn künftig zusätzliche Vermögenswerte abgestoßen werden - auch wenn diese Maßnahmen die Einnahmen genau so verringern wie die Kosten.

Zugegeben, ein Abbau um 30 000 Stellen - quer durch alle Geschäftbereiche weltweit - ist neu. Wenn man die verkauften Geschäfte berücksichtigt, entspricht dies rund zehn Prozent der Belegschaft. Und das wiederum ist nicht aggressiver als die Entlassungen, die auch Morgan Stanley und andere jüngst bekannt gegeben haben.

Und schließlich wäre da auch noch die Bilanz. Nachdem die Großbank Geschäftsbereiche und Vermögenswerte verkauft hat und frisches Kapital über 75 Mrd. Dollar - darunter 25 Mrd. Dollar von der US-Regierung - aufgesammelt hat, kann Citigroup stolz eine robuste Kernkapitalquote von 10,4 Prozent präsentieren. Die Bilanz ist gut unterfüttert - fast zwei Drittel stammen aus Einlagen, Dividendenpapieren und langfristigen Schuldtiteln - und umfasst eine Unmenge an Barem. Und mit elf Prozent der Vermögenswerte ist Citigroup dem Bereich Hypothekendarlehen weniger stark ausgesetzt als ihre US-Konkurrentinnen Bank of America, JPMorgan und Wells Fargo.

Aber auch das ist keine Offenbarung. Die Investoren sollten Pandits jüngste Präsentation als das ansehen, was sie ist: Er hat alle in einer nützlichen Zusammenfassung auf den neuesten Stand gebracht, die vielleicht darauf abzielte, die Skeptiker daran zu erinnern, dass er der Chef ist und mit der Straffung der Bank vorankommt. Dass Pandit den Prozess beschleunigt, ist ermutigend. Aber da sich die Wahrscheinlichkeit einer umfassenden globalen Rezession erhöht, könnten gut und gern weitere Kürzungen notwendig werden.

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