Stellenabbau der Investmentbanken: Das nächste große Rätsel

Stellenabbau der Investmentbanken
Das nächste große Rätsel

Sicher lässt sich noch lange darüber spekulieren, wie groß denn die Abschreibungen der Banken nun eigentlich werden. Die Investmentbanken haben erst damit angefangen, Mitarbeiter zu entlassen. In einigen Fällen scheint der Stellenabbau früher einzusetzen als beim letzten Abschwung. Aber wir stehen noch ganz am Anfang. Für einige Banken könnten sich die Kürzungen in tiefe Einschnitte verwandeln.

Die Investmentbanken entlassen wieder Mitarbeiter. Das ist nichts Ungewöhnliches am Jahresanfang. Aber der Zusammenbruch des Markts für US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität ("Subprime"), die damit verbundenen Verluste über mehrere Milliarden Dollar und die Angst, in den USA drohe eine Rezession, verstärken das Gefühl, dass es sich hier nicht um eine einmalige Kürzung handelt. Wie viele Jobs genau noch abgebaut werden, könnte zum nächsten großen Ratespiel an der Wall Street werden.

Sicher kann man immer noch darüber spekulieren, wie groß die Abschreibungen auf Subprime bezogene Vermögenswerte denn noch werden könnten. Schließlich hält die Citigroup allein immer noch rund 30 Mrd. Dollar an stark hypothekenlastigen Collateralised Debt Obligations (CDOs), also an Wertpapieren, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt sind. Aber das wird jetzt langsam zum alten Hut.

Die Entlassungen aber haben gerade erst begonnen. Sie sind, mit Ausnahme des Geplänkels um die Bonuszahlungen, möglicherweise das Paradebeispiel für die Nabelschau der Wall Street. Vielleicht lässt sich aber auch gar nichts in die jüngsten Ankündigungen hineinlesen. Bei der Entscheidung von Goldman Sachs, 1 500 Mitarbeiter - das sind fünf Prozent der Belegschaft - abzubauen, könnte es sich genau so gut auch um den Jahresputz unter denjenigen handeln, die am schlechtesten abgeschnitten haben. Dass Morgan Stanley 1 000 Mitarbeiter entlässt, könnte bedeuten, dass die Bank einfach nur in ihrem zuletzt hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Bereich zur Betreuung vermögender Privatkunden weiter rationalisiert. Und die Bank of America könnte ihr CDO-Ungemach als Feigenblatt nutzen, um einige seit langem unrentable Teile ihrer unter "ferner liefen" rangierenden Investmentbank abzustoßen.

Aber es riecht nach dem Beginn eines weiter reichenden Kahlschlags. Wenn dem so ist, dann scheinen die Kürzungen früher einzusetzen als beim letzten Abschwung: Goldman, Lehman Brothers und andere hatten 2001 immer noch neue Leute angeheuert, und zwar Monate nach dem Platzen der spekulativen Technologie-Blase und selbst dann noch, als der Nettogewinn pro Mitarbeiter bereits fiel.

Dass die Banken den Revolver jetzt schneller ziehen, mag die Aktionäre ein kleines bisschen trösten. Aber wenn noch schlimmere Zeiten bevorstehen, werden noch einige Entlassungswellen kommen. Vor rund sechs Jahren hatte der damalige Chef von JPMorgan, William Harrison, versprochen, nicht in den Muskel der Bank zu schneiden. Später, bei der Ankündigung weiterer Stellenverluste, sagte er, er hoffe, nicht bis zum Knochen vordringen zu müssen. Das sind alles andere als ermutigende Worte. Aber man kann ziemlich sicher sein, dass sich die Wall Street jetzt schon fragt, wer der nächste sein wird, der sie äußert.

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