Stellenabbau
Goldesel in Gefahr

Die US-Bank JPMorgan will in ihrer Investment-Sparte Stellen streichen. Betroffen sind Angestellte, die in Geschäftsfeldern arbeiteten, die von der Misere betroffen sind - im Juli waren dort 25 400 Mitarbeiter tätig. Investoren rechnen zudem mit großen Abschreibungen bei JPMorgan. Daher wird erwartet, dass die Bank im dritten Quartal weniger verdient hat. JPMorgan soll in der kommenden Woche Quartalsergebnisse vorlegen.

Bis jetzt hatte es vor allem die Hypothekenspezialisten getroffen. Die Investmentbanken Bear Stearns, Lehman Brothers und Morgan Stanley haben Hunderte von Angestellten entlassen, nachdem die Krise auf dem US-Markt für Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität, so genannte Subprime-Papiere, bei ihnen zu Verlusten geführt hatte. Aber es wird noch schlimmer kommen.

Nach einem Hausputz auf hohem Niveau bei Merrill Lynch und UBS räumt jetzt JPMorgan mit breitem Schwung bei ihren Kreditspezialisten auf. Das Wertpapierhaus macht dabei auch nicht vor dem ehemals so lukrativen Team für kreditfinanzierte Fusionen und Übernahmen halt.

Das ist zwar keine Überraschung, trifft aber doch mitten ins Herz der Abteilung, deren Mitarbeiter jüngst noch als die Goldesel der Investmentbank galten. Als der Markt für kreditfinanzierte Übernahmen im Juli ins Wanken geriet und plötzlich hässliche Verluste über der gesamten Wall Street ausschüttete, verlor sich ihr Glanz jedoch recht schnell.

Während die Übernahme-Deals nicht ganz so zügig wie der Hypothekenmarkt untergraben wurden, ist das Neugeschäft mittlerweile doch fast zum Erliegen gekommen. Das bedeutet, dass jene Banker, die Beziehungen zu Beteiligungsgesellschaften haben und permanent nach dem nächsten Abschluss suchen, sich in nächster Zeit ziemlich langweilen werden.

Es könnte nämlich noch eine Weile dauernd, bevor wieder genug neue Übernahme-Gelegenheiten auftauchen, damit diese Banker ihr Gehalt von mehreren Millionen Dollar rechtfertigen können. Die Transaktionen, für die keine Finanzierung zu bekommen ist, belaufen sich immer noch auf rund 300 Mrd. Dollar.

Zwar sieht es jetzt besser aus als noch vor einem Monat, aber es geht nur im Schneckentempo voran. Und bis die alten Abschlüsse abgewickelt, bis die Banken mit den Abschreibungen ihrer Verluste fertig sind und das Vertrauen der Fremdkapitalinvestoren zurückgekehrt ist, dürften die Geldhäuser in den Spezialisten für Übernahmefinanzierungen einen Luxus sehen, den sie sich gerade gar nicht leisten können.

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