Steuerabzüge
Ein bisschen gerechter, bitte!

Viele Steuersysteme verführen Unternehmen und private Haushalte geradewegs dazu, sich über Gebühr mit Schulden zu beladen. Dies hat dazu beigetragen, dass sowohl die spekulative Blase wie auch ihr Platzen übermäßig stark ausgefallen sind. Der IWF nimmt die Praxis der Absetzbarkeit von Krediten jetzt zu Recht ins Visier.
  • 0

Die steuerliche Absetzbarkeit von Schulden ist zu Recht ins Fadenkreuz geraten. Viele Steuersysteme verführen Unternehmen und private Haushalte geradewegs dazu, sich über Gebühr mit Schulden zu beladen. Dies hat dazu beigetragen, dass die spekulative Blase und ihr Platzen übermäßig stark ausgefallen sind. Diese Beihilfen abzubauen, könnte ein bequemer Weg für die Regierungen sein, Geld zu einer Zeit einzutreiben, in der sie Bares verzweifelt brauchen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) nimmt jetzt Praktiken ins Visier, die es Unternehmen erlauben, Zinszahlungen abzuziehen, bevor sie die steuerpflichtigen Gewinne berechnen - und es im Privatbereich Einzelnen gestatten, ihre Hypothekenzinszahlungen gegen ihre Steuerbescheide aufzuwiegen. Der IWF argumentiert, dass diese Steuerverzerrungen dazu führten, dass die Fremdmittelaufnahme beträchtlich höher ausgefallen ist, als dies unter einem neutralen Steuersystem der Fall gewesen wäre. Höhere Kredite heizten den Boom an. Im Niedergang sind die Volkswirtschaften aus diesem Grund anfälliger. Die Zentralbanken müssen auch deswegen einen übertrieben lockeren geldpolitischen Kurs fahren, um die überschuldeten Einzelnen abzufedern.

Die steuerliche Absetzbarkeit von Zinsen für Unternehmen ist in den meisten Ländern weit verbreitet, auch wenn einige, wie Deutschland, die Anreize zurückschraubten. Am eifrigsten wurde dieses Schlupfloch bei fremdfinanzierten Übernahmen, die durch Private-Equity-Firmen gestützt wurden, ausgenutzt. Aber auch einige börsennotierte Unternehmen haben Schuldenberge angehäuft. In guten Zeiten erscheint es sehr reizvoll, sich auf Kredite zu verlassen. Die Renditen für die Aktionäre schießen in die Höhe. Aber wenn die Abwärtsbewegung zuschlägt, veranlasst ein Schuldenüberhang die Firmen dazu, Investitionen zu streichen und Mitarbeiter zu entlassen. Das Wirtschaftssystem wäre viel robuster, wenn Unternehmen - und Banken - stärker auf Eigenkapital und weniger auf Fremdkapital bauen würden.

Bei den Hypotheken sieht es ganz ähnlich aus. Die steuerliche Absetzbarkeit von Hypothekenzinsen ist zwar nicht der einzige Grund, warum die Welt immer wieder in Übertreibungen auf den Immobilienmärkten gerät. In Großbritannien, zum Beispiel, gelang es, die Blase richtig tüchtig aufzublähen, auch wenn dieser Anreiz schon in den neunziger Jahren abgeschafft worden war. Aber die Steuerbeihilfe hat wahrscheinlich in den USA und Spanien die Überhitzung tatsächlich angefacht.

Der politische Prozess, die steuerliche Absetzbarkeit zurückzufahren, dürfte sich nicht ganz so einfach gestalten. Die Wähler werden um ihre billigen Hypotheken kämpfen. Verschuldete Unternehmen werden auch auf ihren Vergünstigungen bestehen. Trotzdem wandelt sich die Bankenkrise jetzt zu einer Krise der öffentlichen Finanzen. Da die Regierungen fast überall auf der Welt nach Wegen suchen, Geld aufzutreiben, könnte das Schließen dieser Schlupflöcher ein reizvoller Ansatz sein.

Kommentare zu " Steuerabzüge: Ein bisschen gerechter, bitte!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%