Steuern
Es sind nicht nur die Hypothekendarlehen

Die Unternehmen dazu zu ermutigen, Schulden zu machen, ist Unfug. Doch genau dies unterstützen die Regierungen, wenn sie Firmen gestatten, die Zinszahlungen von den Gewinnen abzuziehen, bevor die Steuer berechnet wird. Die Absetzbarkeit der Zinsen sollte gestrichen werden.
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Die Unternehmen dazu zu ermutigen, Fremdkapital aufzunehmen, ist Unfug. Doch genau dies kommt dabei heraus, wenn man es den Firmen erlaubt, die Zinszahlungen von den Gewinnen abzuziehen, bevor der Steuerbescheid berechnet wird. Durch den Steuervorteil wird die Mittelaufnahme für Unternehmen verlockender. Anreize dieser Art haben dazu beigetragen, die Welt bei fremdfinanzierten Übernahmen und bei Gewerbeimmobilien in die Krise zu führen. Viele Unternehmen werden Pleite gehen und Banken werden noch größere Verluste erleiden. Die Rezession wird tiefer gehen, als dies hätte sein müssen.

Die steuerliche Absetzbarkeit der Zinskosten der Unternehmen hat in den meisten Ländern eine lange Tradition. Sie wird fadenscheinig damit begründet, dass es sich bei Zinsen um eine Geschäftsausgabe wie jede andere auch handelt. Aber es ist besser, wenn man alle Schulden als einen Typ des Kapitals, wie etwa Eigenkapital, betrachtet. Der Unterschied besteht darin, dass die Zahlungen, die die Unternehmen für den Schuldendienst leisten, steuerlich absetzbar sind - während dies Dividenden generell nicht sind.

Die Unternehmen haben daher einen Anreiz, einen Schuldenberg anzuhäufen und ihr Eigenkapital zu verringern. Sie werden nur durch die Furcht zurückgehalten, dass in einem Abschwung möglicherweise kein Geld mehr vorhanden ist, um die Zinsen zu zahlen.

Während des Booms hatten sich solche Ängste verflüchtigt und der Kult der "finanziellen Effizienz" griff um sich. Die steuerliche Absetzbarkeit steigerte die Attraktivität niedriger Zinsen zusätzlich. In zwei Bereichen - Leveraged Buy-outs und Gewerbeimmobilien - wurde mit enorm hohen Verschuldungskoeffizienten gearbeitet. Einige gewöhnliche Firmen erhöhten ihren Fremdkapitalanteil, indem sie Mittel aufnahmen, um Aktien zurückzukaufen. Über den Einsatz umfangreicher Kredite wurden wahre Akquisitionsgelage gefeiert.

Diese ganze Spekulation, die sich über die Steuerzahler finanzierte, hat Blasen geworfen, die jetzt geplatzt sind. Verluste bei Unternehmens- und Gewerbeimmobilienkrediten, die von US-Finanzinstituten geschaffen wurden, werden in diesem Konjunkturzyklus allein ein Volumen von 829 Mrd. Dollar erreichen, berichtet die Research-Firma RGE Monitor. Dazu kommen noch Neubewertungseinbußen bei Unternehmensschuldtiteln und Wertpapieren mit Bezug auf den Gewerbeimmobiliensektor, die sich im Dezember auf 745 Mrd. Dollar belaufen hatten.

Einige Länder haben die Steuervorteile bei Unternehmensschulden etwas zurückgefahren. Die derzeitige Krise eröffnet die Chance auf eine umfassendere Reform. Die Regierungen sollten die steuerliche Absetzbarkeit von Zinszahlungen auslaufen lassen, so dass die Steuern auf die Betriebsgewinne entrichtet werden. Um die Auswirkungen für die Unternehmen im Ganzen neutral zu gestalten, sollten die Körperschaftssteuersätze gesenkt werden.

Natürlich werden in einer Welt ohne Steuerbeihilfen für Fremdkapital LBOs steuerlich unattraktiver. Hoch mit Krediten beladene Unternehmen werden mehr Steuern zahlen. Die Private-Equity-Branche würde angesichts solcher Aussichten lautstark protestieren. Dies sollte ignoriert werden.

Ein internationaler Konsens könnte hergestellt werden. Der Zeitgeist ändert sich. Die G20-Nationen haben sich bereits zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen Steueroasen durchgerungen. Warum sollte dies bei der von Fremdkapital getriebenen Finanzsteuerung nicht auch möglich sein?

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