Strafe gegen Chevron
Bezahlt es doch einfach

Kasachstan scheint sich zum Ökoparadies zu entwickeln: Wegen „Verstoßes gegen die Umweltauflagen“ belegt das Land nach der italienischen Eni auch die US-Ölfirma Chevon mit einer hohen Strafe. Das mag lästig sein, doch die Mineralölkonzerne tun gut daran mizuspielen.

Kasachstan belegt ein Konsortium unter der Führung von Chevron im Erdölfeld Tengis mit einer Geldstrafe von über 600 Mill. Dollar - wegen "Verstoßes gegen die Umweltauflagen". Erst vor ein paar Wochen hat das Land die italienische Eni und ihre Partner gezwungen, ihre Förderung bei dem Großprojekt Kashagan zu stoppen. So wie sich das anhört, entwickelt sich Kasachstan zu einem regelrechten Ökoparadies. Aber Moment mal - darüber sollte man noch einmal nachdenken.

Die Umweltstrafen sehen ganz nach einer List aus, mit der die kasachische Regierung den westlichen Erdölgesellschaften noch mehr Geld abluchsen will. So schlecht das für Chevron, Eni und ihre Partner sein mag, so könnten sich vielleicht ein wenig damit trösten, dass die Wahrscheinlichkeit, aus dem Land geworfen zu werden, gering ist.

Chevron war 1993 nach dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion nach Kasachstan gekommen. Damals brauchte das Land dringend Geld in harter Währung. Rohöl wurde zu einem Bruchteil der heutigen Preise gehandelt. Chevron hat den Pioniervorteil ausgekostet und fürstlich verdient. Rund acht Prozent der Förderung des Unternehmens stammt aus dem zentralasiatischen Land.

Bei einem Ölpreis um die 80 Dollar je Barrel versucht die kasachische Regierung, mehr Geld aus ihren Ölfeldern in den Staatssäckel zurückzuleiten. Das trifft besonders angesichts der Verzögerungen bei dem Projekt in Kashagan zu, das Eni anführt. Die ausbleibenden Einnahmen zwingen die Regierung zur Kreativität - und so hat sie ihre Liebe zur grünen Bewegung entdeckt.

Das mag zwar lästig sein, aber gleichzeitig ist es unwahrscheinlich, dass die Kasachen den Westen in der Manier von Hugo Chavez, dem Präsidenten von Venezuela, gleich ganz ausbooten. Die ausländischen Betreiber sind immer noch die erste Wahl, um das Öl des Landes auf den Markt zu bringen. Anderen Erdölgesellschaften wie PetroChina und Gasprom fehlt die nötige Erfahrung, um Projekte wie Kashagan voran zu bringen.

In dem Land, das vielleicht unfairer Weise als Heimat des legendären Flegels Borat gilt, Geschäfte zu machen, ist nicht angenehm. Da aber so viele andere Regierungen internationale Ölfirmen einfach vor die Tür setzen, werden Chevron, Eni und ihre Partner gute Miene zum bösen Spiel machen müssen.

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