Strategieproblem
Dell kann seine Probleme nicht einfach rausverkaufen

Der PC-Gigant hat gerade einen neuen Mini-Laptop für 399 Dollar auf den Markt gebracht. Aber ein weiteres Billigangebot kann Dells Wunden nicht zupflastern. Das Geschäftsmodell hat versagt und die Bilanz ist aus dem Gleichgewicht. Aktionäre sollten sich nicht darauf verlassen, dass ein neues Produkt die richtige Salbe ist.

Dell denkt klein, um große Probleme zu lösen. Der angeschlagene Computergigant hat gerade einen neuen Mini-Laptop auf den Markt gebracht, der für 399 Dollar zu haben ist, ein 349-Dollar-Modell soll in Kürze folgen. Das klingt zunächst gut - kleinere, leichter tragbare Geräte sind gegenwärtig der letzte Schrei. Aber mit einem weiteren Billigangebot wird Dell seine Wunden nicht zupflastern können. Die preisgesteuerte Strategie des Unternehmens geht nicht länger auf und die Bilanzkennziffern senden Warnsignale.

Dells neues Notebook wiegt kaum mehr als ein Kilogramm und hat damit gute Chancen, den Zeitgeist bei den tragbaren Geräten zu treffen. Die Umsätze auf dem Markt für tragbare PCs werden in diesem Jahr nach Angaben von IDC voraussichtlich um 34 Prozent wachsen, bei Desktops sollen es dagegen nur 5 Prozent werden. Und bei einem Preis von 399 Dollar für das mit Windows ausgestattete Modell und eine noch billigere Linux-Version, die in Kürze folgen soll, könnte der Dell-Rechner dem Unternehmen aus den Händen gerissen werden.

Aber Dells Geschäftsmodell hat versagt. Das Unternehmen hat sich einen Namen damit gemacht, Computer so günstig wie möglich zu vertreiben. Dabei verzichtete man auf die Einschaltung von Zwischenhändlern. Das funktionierte solange hervorragend, wie die Nachfrage noch schneller stieg als die Computerpreise sinken konnten. Mit den immer billigeren Rechnern geriet Dell aber unter Druck. Die Gewinne des Unternehmens sanken im vergangenen Quartal um 17 Prozent, obwohl die Umsätze um 11 Prozent zulegten. Die anhaltenden Preisabstriche ließen die Gewinnspannen zusammenschmelzen.

Dells Bilanz zeigt inzwischen einige beunruhigende Trends. Die Außenstände des Unternehmens wuchsen weitaus schneller als die Umsätze und liegen jetzt bei 30 Prozent des Umlaufvermögens. Weitere 16 Prozent des Umlaufvermögens oder 3,6 Milliarden Dollar werden als "Sonstige" ausgewiesen. Dahinter kann sich alles Mögliche verbergen, von Steuerstundungen bis Lieferantenforderungen. Und diese Position wuchs innerhalb von sechs Monaten um 17 Prozent. Schließlich weist Dell einen Lagerbestand im Wert von 1,1 Milliarden Dollar aus, der sich als äußerst anfällig für Abschreibungen erweisen könnte, wenn die Probleme des Unternehmens weiter anhalten.

Dells neuer Minicomputer könnte im Weihnachtsgeschäft zum Bestseller werden. Immerhin ist er billig und ultra leicht. Aber solange die Computerpreise weiter fallen, wird Dell Schwierigkeiten haben, sein sinkendes Schiff wieder aufzurichten.

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