Strategischer Vorteil
Anglos dünner Geduldsfaden

Anglo American sollte Xtratas Verzögerungstaktik unterbinden. Der südafrikanische Minenkonzern überlegt, die britische Kartellbehörde anzurufen, um den schweizerischen Interessenten dazu zu zwingen, ein ernstgemeintes Angebot zu unterbreiten oder sich anderenfalls von den Gesprächen zu entfernen. Das wäre klug. Anglo mag zwar die Unterstützung seiner Shareholder für die Ablehnung einer „Fusion unter Gleichen“ mit Xstrata genießen, sollte aber dennoch die Initiative ergreifen.
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Anglo American sollte Xtratas Verzögerungstaktik unterbinden. Der südafrikanische Minenkonzern überlegt, die britische Kartellbehörde anzurufen, um den schweizerischen Interessenten dazu zu zwingen, ein ernstgemeintes Angebot zu unterbreiten oder sich anderenfalls von den Gesprächen zu entfernen. Das wäre klug. Anglo mag zwar die Unterstützung seiner Shareholder für die Ablehnung einer "Fusion unter Gleichen" mit Xstrata genießen, sollte aber dennoch die Initiative ergreifen.

Eine Rüge der Behörde zwänge Xstrata zu einem formellen Angebot für Anglo oder einer sechsmonatigen Verhandlungs-Abstinenz. Das schließt jedoch weder eine Einigung im Guten zu jeglichem Zeitpunkt, noch ein Gegenangebot von Xstrata aus, sollte sich ein anderer Bieter einmischen.

Ein Anruf der Kartellbehörde wirkt angesichts der in der Zwischenzeit abgeebbten Kriegsrhetorik übertrieben. Schließlich ist es sehr unwahrscheinlich, dass Xstrata der Null-Prämien-Fusion von Anfang des Sommers zustimmt. Xstrata hat klar ausgedrückt, dass man die Bedingungen seines Angebots nicht verbessern wird und auch gewillt ist, eine langwierige Jagd auf den ebenbürtigen Rivalen auf sich zu nehmen. Nicht zuletzt lässt die Bilanz von Xstrata gar keine großen Sprünge in Sachen Prämie zu.

Xstratas Antwort mag vorhersehbar sein, Anglo erkämpft sich durch den Anruf der Kartellbehörde dennoch einen taktischen Vorteil. Ein Schlussstrich unter Xstratas Avancen könnte die Gerüchte um die Leistungen von Anglo-CEO Cynthia Carroll verstummen lassen. Und Anglos neuer Vorstandschef Sir John Parker würde, wiese er Xstrata in die Schranken, seine Autorität unterstreichen.

Die Kartellbehörde zwang die Schweizer bereits zur Veröffentlichung ihrer Schätzungen möglicher entstehender Synergieeffekte. Zudem mussten sie erst kürzlich kräftige Abschreibungen bei ihrem 25-prozentigen Anteil an dem Platin-Förderer Lonmin hinnehmen, den sie sich letztes Jahr in einem Blitzangriff einverleibt hatten. Jetzt liegt es in Parkers Hand, Xstrata darauf hinzuweisen, dass ihre aggressive, quasi feindselige M&A-Praxis nicht immer von Erfolg gekrönt ist.

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