Streit um Subventionen
Französische Autobauer: Die Kunst, sich selbst zu besiegen

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy bietet staatliche Kredite über sechs Mrd. Euro an, um den Autobauern des Landes, Renault und Peugeot, unter die Arme zu greifen. Aber nur, wenn sie im Gegenzug versprechen, keine Jobs mehr zu exportieren. Der Ansatz ist schlecht für die Welt, schlecht für die Unternehmen und könnte für Frankreich nach hinten los gehen.

Nicolas Sarkozy ist es in der vergangenen Woche gelungen, im Verlauf eines einzigen Fernseh-Interviews gleich zwei europäische Regierungen zu beleidigen. Der französische Staatspräsident irritierte den britischen Premier Gordon Brown, indem er die Senkung der britischen Mehrwertsteuern als unwirksam kritisierte und Großbritannien als ein Land ohne industrielle Basis darstellte. Die tschechische Regierung verärgerte er mit der Bemerkung, dass er nicht verstehen könne, warum französische Autohersteller dorthin gingen, um Autos zu montieren, die in Frankreich verkauft werden sollten. Es scheint fast, als ob Tschechien in den Augen Sarkozys eine zu große industrielle Basis hätte?

Das Beispiel Tschechien hatte der französische Präsident herangezogen, um zu erklären, warum er die Autobauer seines Landes, Renault und Peugeot, dazu zwingen will, keine Jobs mehr ins Ausland zu exportieren, damit sie im Gegenzug ihren Anteil an staatlicher Unterstützung über rund sechs Mrd. Euro erhalten können. Tief drinnen weiß er wahrscheinlich selbst, dass dies Unfug ist. Fabriken im Ausland versetzen französische Unternehmen erst in die Lage, billigere und wettbewerbsfähigere Fahrzeuge zu produzieren und ihren Absatz auf viel versprechenden Märkten wie Osteuropa zu erhöhen. Aber Sarkozy will sich den Anstrich der Härte verleihen, weil die Gewerkschaften schon wieder dabei sind, Streiks und Proteste vorzubereiten.

Dem Unterstützungspaket haftet nichts Außergewöhnliches an. Den Autoherstellern soll es mit Hilfe staatlicher Kredite gelingen, durch die Kreditklemme zu kommen. Renault und Peugeot werden dafür Zinsen zahlen müssen, die ein wenig unter dem üblichen Marktsatz liegen - und der sich, je nach dem wie es für die Unternehmen läuft, verändert. Aber Sarkozy sollte die Entscheidung den Unternehmen überlassen, wie sie das Geld einsetzen wollen, so dass sie besser für den globalen Wettbewerb gerüstet aus der Krise hervorgehen können.

Die Struktur der modernen Auto-Industrie bezeugt, wie absurd ein auf nationale Interessen ausgelegter Ansatz ist. Da Renault maßgeblich an Nissan beteiligt ist, wird die Unterstützung für die Franzosen unweigerlich einer indirekten Beihilfe für die Japaner gleichkommen. Das gilt für ganz Europa. Ein Rettungsprogramm für die deutschen Autobauer wäre gleichermaßen hilfreich für die amerikanische General Motors. Wenn die schwedische Regierung Volvo unter die Arme greift, profitiert davon auch Ford. Und Großbritannien, das gar keine eigenen Autohersteller mehr hat, käme gar nicht umhin, Unternehmen mit Sitz im Ausland zu stützen.

Eine engstirnige Vorgehensweise, um gegen die Schwierigkeiten anzukämpfen, die die Autobranche in der derzeitigen Rezession plagen, hat einfach keinen Bezug mehr zu den heutigen Gegebenheiten. Wenn Sarkozy darauf beharrt, wie geplant fortzufahren, dann werden seine geliebten nationalen Champions Gefahr laufen, global in die zweite Liga abzusteigen.

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