Stromkonzerne
Nicht viel Schlaf

EdF will im Ausland expandieren. Dabei fürchtet der französische Elektrizitätsriese allerdings, dass er aufgrund seines Status als staatliches Unternehmen in Europa nicht willkommen ist. Deshalb braucht er Verbündete vor Ort, wie Centrica in Großbritannien, um British Energy übernehmen zu können, oder die spanische ACS für eine mögliche Offerte für Iberdrola.

Es ist schon schwierig, den guten Kerl zu spielen, wenn man ein 110 Mrd. Euro schwerer Staatsgorilla in einem sich schnell deregulierenden Markt ist. EdF, der französische Stromkonzern, muss feststellen, dass er schlecht ankommt. Ob er in Spanien expandieren oder in Großbritannien wachsen will, immer trifft er auf Hindernisse, die sich mit denen des Erdgasgiganten Gazprom vergleichen lassen, wenn er sich von Mütterchen Russland entfernen will: Keiner will den Bären im eigenen Vorgarten haben. Im Fall von EdF mögen sich andere europäische Länder nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass die französische Regierung übermäßigen Einfluss auf ihre Energiepolitik ausübt.

Aber für die Elektrizitätsgesellschaft besteht auch keine Aussicht auf eine Privatisierung – und sei es nur deshalb, weil vor ein paar Jahren Präsident Nicolas Sarkozy, der damals noch Finanzminister war, dummerweise den Gewerkschaften des Unternehmens versprochen hat, dass der Staat seinen Anteil niemals und unter keinen Umständen unter 70 Prozent senken würde – derzeit hält er mehr als 80 Prozent an EdF. Es besteht nicht einmal die finanzielle Notwendigkeit, das Unternehmen zu privatisieren, damit es im Ausland Akquisitionen tätigen kann. EdF kann es sich leisten, bar zu zahlen und braucht ihre eigenen Aktien nicht als Währung einzusetzen. Ihre Verbindlichkeiten erreichen kaum das diesjährige Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen.

Um politische Probleme zu umgehen, sucht EdF jetzt also nach Verbündeten. In der jüngsten Runde seines Werbens hat der Stromkonzern Gespräche mit der britischen Centrica über ein Gebot für 35 Prozent an dem Betreiber von Atomkraftwerken, British Energy, aufgenommen, den die britische Regierung verkaufen will. Dabei könnte eine Übernahme-Offerte herauskommen, die sich wahrscheinlich auf mehr als zehn Mrd. Euro beläuft.

Auch in Spanien hat sich EdF auf den Pfad der Allianzen begeben, wo die Franzosen schon seit Jahren zu expandieren versuchen. Dort ist die Baugruppe ACS ein möglicher Partner für ein zweistufiges Gebot zur Aufteilung der Vermögenswerte von Iberdrola und Union Fenosa, deren zusammengefasste Marktkapitalisierung 63 Mrd. Euro überschreitet.

In beiden Fällen kann EdF vorgeben, dass sie nur ein Partner bei einer Offerte unter britischer oder unter spanischer Führung ist. Sicher, es gibt auch Vorteile für die Verbündeten von EdF. Centrica, zum Beispiel, braucht die Sachkenntnis von Edf bei der Atomkraft und deren Finanzkraft. Aber da EdF rund zehnmal größer ist als jeder der beiden möglichen „Partner“, erinnert diese Art von Allianz an den alten Witz über die biblische Parabel, in der der Wolf und das Lamm eines Tages zusammen weiden werden. Eine schöne Vorstellung – nur wird das Schaf dabei leider nicht allzu viel Schlaf bekommen.

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