Subprime-Jahrestag
Happy Birthday, Kreditkrise!

Heute vor einem Jahr haben HSBC und New Century zum ersten Mal über wachsende Probleme mit US-Wohnungsbaudarlehen zweitklassiger Bonität berichtet. Hatte man zunächst gedacht, die Schwierigkeiten auf dem Hypothekenmarkt seien beherrschbar, stellten sie sich stattdessen als der Auslöser für das spätere Platzen der viel umfassenderen Kreditblase heraus.

Vor genau einem Jahr haben HSBC und New Century zum ersten Mal wachsende Probleme mit US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität offen gelegt. Warnsignale hatte es auch vorher schon gegeben. Aber der 8. Februar 2008 ist das geeignete Datum für den ersten Jahrestag des Beginns der Kreditkrise.

Erinnert sich noch jemand an jene berauschenden Tage? Die Beteiligungsgesellschaften gaben den Ton im Geschäft mit Fusionen und Akquisitionen an und finanzierten ihre Deals mit großen Portionen immer billiger werdender Kredite. Und kaum hatte die Wall Street Darlehen und andere Vermögenswerte auf den Markt geworfen, da stürzten sich auch schon die Hedge Fonds gierig darauf.

Für eine gewisse Zeit sahen die Probleme auf dem Markt für US-Wohnungsbaudarlehen fast beherrschbar aus. Schließlich entfielen nicht mehr als drei Prozent der Einnahmen der Investmentbanken auf Subprime-Hypotheken. Also nahmen die kreditfinanzierten Übernahmen (LBOs), mit denen sich so locker Geld verdienen ließ, weiter an Fahrt auf, die dann Ende Juni in der Ankündigung der größten Übernahme aller Zeiten kulminierte: Die kanadische Telekomgesellschaft BCE sollte für 48,5 Mrd. Dollar den Besitzer wechseln.

Aber als die Ausfälle bei den Hypothekendarlehen Schwindel erregende Höhen erreichten, wurde offensichtlich, dass sich die Krankheit ausbreiten würde. Schuld daran waren zu einem großen Teil die Gier der Manager und Investoren von Collateralised Debt Obligations (CDOs) und der Umstand, dass es Subprime-Bond-Derivate gab, die deren Riesenappetit stillen konnten.

Der Rückschlag war heftig. LBOs sind zum Stillstand gekommen. Hedge Fonds haben viel größere Schwierigkeiten, ihre Abschlüsse zu finanzieren. Investmentfonds jeder Couleur von Massachusetts über Australien bis nach Norwegen sind in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Banken haben Verluste über 130 Mrd. Dollar ausgewiesen. Und die Krise hat das Vertrauen in die Garanten des Kreditsystems, wie Rating-Agenturen, Kreditversicherer und den kurzfristigen Markt für Commercial Paper, untergraben.

Wahrscheinlich steht uns weitere Verwirrung ins Haus, wenn die Krankheit auf andere Verbraucherkreditbereiche, wie Autofinanzierungen und Kreditkartenforderungen, übergreift. Und die Reaktionen sowohl der Branche als auch der Regierungen waren bisher unsystematisch und von unterschiedlichem Erfolg gekrönt. Die schwerste Kreditkrise seit zwanzig Jahren zu meistern, braucht Zeit. Aber das ist kein Grund, nicht darauf zu hoffen, dass sich bis zum zweiten Jahrestag der Kreditkrise bessere Nachrichten einstellen.

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