Subprime-Krise
Die harte Wahl der Citigroup

Der neue Citigroup-Chef Vikram Pandit will 49 Mrd. Dollar aus Zweckgesellschaften (SIVs) in die eigenen Bücher der Bank nehmen. Damit zieht er dem geplanten Super-SIV den Boden unter den Füßen weg. Mit dem kühnen Schritt wachsen auch die strategischen Herausforderungen an ihn. Eine Analyse von breakingviews.com

Citigroup-SIVs: Nur zwei Tage hat Vikram Pandit gebraucht, um sich von dem alten System der Citigroup abzusetzen. Pandit will Vermögenswerte über 49 Mrd. Dollar, die derzeit in sieben von der Citigroup unterstützten Zweckgesellschaften gehalten werden, in die eigenen Bücher nehmen. Damit kehrt er der Position der Bank den Rücken, die SIVs außerbilanziell weiter laufen zu lassen. Gleichzeitig zieht er dem vom US-Finanzministerium ersonnenen Super-SIV-Auffangfonds den Boden unter den Füßen weg. Citigroup beteuert zwar, den breiter angelegten Rettungsplan weiter unterstützen zu wollen. Aber es wird immer schwerer zu erkennen, wie das Projekt überleben soll.

Allerdings wird Pandit für seinen kühnen Schritt keine großen Lorbeeren ernten. Sein Schachzug war weitgehend durch das Vorbild europäischer Banken erzwungen worden, die ihre SIV-Engagements bereits in ihre Bilanzen eingebracht haben. Zudem hatten die Rating-Agenturen damit gedroht, die Bonitätseinstufung der SIVs von Citigroup zurückzunehmen, wodurch womöglich ein verheerender Ausverkauf von Vermögenswerten in Gang gesetzt worden wäre. Stattdessen zeitig Pandits Entscheidung neue Herausforderungen, während er sich mit einer immer angespannteren Bilanz auseinander setzen muss.

Natürlich hat Pandit immer noch Bewegungsspielraum. Citigroup kann weiter versuchen, Vermögenswerte aus den SIVs, die billige kurzfristige Kredite verkaufen, um in längerfristige hypothekenbesicherte Wertpapiere zu investieren, an den Mann zu bringen. Die Bank hat das Volumen ihrer SIVs schon von 100 Mrd. Dollar am Anfang des Jahres und von 87 Mrd. Dollar im August reduziert. Vorerst, so schätzt Citigroup, werden die Vermögenswerte der SIVs ihre Kernkapitalquote nur um 16 Basispunkte gegenüber 7,3 Prozent im dritten Quartal und 8,6 Prozent im vergangenen Jahr drücken. Damit liegt sie immer noch gut über der Schwelle von sechs Prozent, die als finanziell robust angesehen wird, wobei Citigroup eine Kernkapitalquote von mindestens 7,5 Prozent vorzieht. Dort will die Bank bis zum kommenden Sommer auch wieder gelandet sein.

Doch es stehen noch härtere Entscheidungen an. Moody’s hat schnell reagiert und die Ratings von Citigroup aufgrund von Besorgnis über die Eigenkapitalquoten leicht gesenkt. Die Bank leidet immer noch unter den Auswirkungen der Krise bei den US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität und muss sich auf noch heftigere Abschreibungen einstellen. Einmal hat die Bank den Hut schon herumgehen lassen, um ihre Bilanz zu stützen, indem sie im vergangenen Monat eine Beteiligung über 7,5 Mrd. Dollar an Abu Dhabi verkauft hat. Sie könnte zu einer zweiten Runde gezwungen sein.

Auch die Aussicht, die Dividende kürzen zu müssen, erscheint sehr realistisch. Das wäre ein niederschmetternder Schlag für viele Investoren, die wegen der siebenprozentigen Rendite der Citigroup die Treue halten. Da die Aktien der Bank in diesem Jahr bereits 44 Prozent verloren haben, wird Pandit diese Entscheidung vielleicht eher vermeiden wollen.

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