Subprime-Krise
Paulsons Ehrgeiz

Niemand kann Hank Paulson vorwerfen, er denke kleinkariert. Seine neuen Vorschläge zur Lösung der Subprime-Krise zielen darauf ab, die Zinsanpassung bei einigen variabel verzinsten US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität einzufrieren. Sicher kann man über Wahl des richtigen Zeitpunkts meckern.

Niemand kann Hank Paulson vorwerfen, er denke kleinkariert. Seine neuen Vorschläge zur Lösung der Subprime-Krise zielen darauf ab, die Zinsanpassung bei einigen variabel verzinsten US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität einzufrieren. Sicher kann man über Wahl des richtigen Zeitpunkts meckern. Schließlich hätte er diese Idee schon vor Monaten vorbringen und damit möglicherweise viel Leid verhindern können.

Stattdessen hat er seine Zeit damit zugebracht, einen Rettungsfonds für die ins Trudeln geratenen Investmentvehikel für strukturierte Produkte (SIVs) der Banken auf die Beine zustellen. Aber was er jetzt vorschlägt, ist um Längen ehrgeiziger – und es hat die geringeren Gewinnchancen.

Warum das? Nun, die Banken haben gute Gründe, die Rettung der SIVs zu unterstützen. Vor allem wollen sie nicht, dass die SIVs ihre Kredite aus dem Finanzsektor über rund 150 Mrd. Dollar auf dem Markt abzuladen.

Die Investoren von Hypotheken-Bonds und die Verbriefungsschlaumeier dagegen sehen in einem Aussetzen der Zinsanpassung – die letztlich ihre Renditen schmälert – einen großen Minuspunkt für Anleihen, die mit Hypothekendarlehen voll gestopft sind.

Doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt scheinen sie die Wahrscheinlichkeit massiver Ausfälle bei den Hypotheken über 360 Mrd. Dollar, bei denen der Zins Ende des kommenden Jahres neu festgesetzt werden muss, gegen den dünneren Zinsstrom, den sie erhalten, wenn einige der Zinsanpassungen ausgesetzt werden, abgewogen zu haben und zu dem Schluss gekommen zu sein, dass Letzteres das geringere Übel ist.

Das ist noch keine Garantie dafür, dass Paulson Erfolg haben wird. Da kommen viele und große Herausforderungen auf ihn zu, wobei viele nicht vorhersehbar sein dürften, da bisher noch niemand versucht hat, Hypotheken – ganz abgesehen von Hypotheken, die an Subprime-Schuldner ausgegeben worden sind – in diesem Ausmaß zu modifizieren.

Schon die rechtlichen und operativen Hürden werden gewaltig sein. Allein die Darlehensnehmer aufzuspüren – und die letzte Ruhestätte ihrer Hypotheken festzustellen – wird ein Alptraum werden.

Und dann stellt sich noch die Frage nach der Fairness. Die Kosten, die durch das Einfrieren der Zinsanpassungen entstehen, werden zu einem beträchtlichen Teil auf die Halter von hypothekenbesicherten Bonds und CDOs, also von Wertpapieren, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt sind, zurückfallen. Diese Investoren werden gebeten, für die erbärmlichen Entscheidungen zu zahlen, die die ursprünglichen Hypothekenanbieter und Subprime-Schuldner getroffen haben. Natürlich könnten sie noch schlimmer leiden, wenn die Ausfälle eskalieren würden. Aber es wäre vernünftig, mit einiger Gegenwehr derer zu rechnen, die gebeten werden, diese Last zu schultern.

Dass der ehrgeizige Finanzminister das Unterfangen unterstützt, erhöht zwar die Erfolgsaussichten des Plans. Es wäre klug von den Banken zu versuchen, „Ja“ zu sagen, wenn er sie um einen Gefallen bittet. Aber den Vorschlag erfolgreich umzusetzen, wird im Vergleich dazu die Versuche, die chinesische Regierung davon zu überzeugen, eine Aufwertung ihrer Währung zuzulassen, wie einen Spaziergang aussehen lassen.

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